Hetze, Emojis, Anonymous: Die meistbesuchten Web-Artikel 2015

11. Jänner 2016, 16:58
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Das vergangene Jahr war von Hasskampagnen und dem "Cyberkampf" gegen den Terror geprägt

Das Jahr 2014 war ein turbulentes: DiTech ging pleite, die Sicherheitslücke Heartbleed sorgte für Aufsehen und Urheberrechtsfragen wie Festplattenabgabe und Netzsperren wurden heftig debattiert. Das größte Aufsehen erregte aber die Präsentation von Apples iPhone 6 sowie der Apple Watch – zumindest, wenn man nach der Anzahl der Besucher geht, die Artikel im WebStandard verzeichneten. 2015 fehlte von diesen Themen in den ressorteigenen Top 10 jede Spur. Terror und falsche Gerüchte über Flüchtlinge dominieren die Jahrescharts des WebStandards.

Platz 1: "Flüchtlinge und teure Smartphones" – Hetze ohne Fakten (435.265 Zugriffe)

foto: getty images/christian science monitor

Die meisten Zugriffe – übrigens auch insgesamt auf derStandard.at – verzeichnete ein Faktencheck über Flüchtlinge und teure Smartphones. Zuvor hatten in sozialen Netzwerken Gerüchte die Runde gemacht, dass Asylwerber mit neuesten Geräten in Österreich ankamen. Der Artikel zeigte auf, dass dem nicht so ist – auch wenn es gute Gründe gibt, warum Flüchtlinge Smartphones besitzen.

Platz 2: "Paris-Terror: Anonymous greift im Netz IS an" (224.757 Zugriffe)

Nach den Terroranschlägen in Paris Mitte November machten Aktivisten des Kollektivs Anonymous Jagd auf Accounts von Terroranhängern. Twitter-Profile von Mitgliedern oder Sympathisanten der Miliz "Islamischer Staat" sollten gelöscht werden.

Platz 3: Aprilscherze im Netz: Strache fällt auf Panier-Verbot herein (185.818 Zugriffe)

foto: presse

Auf dem dritten Platz landet ein Faux-Pas von FPÖ-Parteiobmann HC Strache: Der glaubte am 1. April den Kollegen von der "Presse", dass die EU ein Panierverbot plante. Dabei handelte es sich allerdings um einen Aprilscherz.

Platz 4: "Idioten": IS macht sich über Anonymous-Hacker lustig (143.290 Zugriffe)

foto: anonymous

Die "Kriegserklärung" von Anonymous erreichte in den Jahres Top 10 schon Platz 2 – die Retourkutsche der IS-Terroristen stieß aber fast auf ebenso viel Interesse. Die zeigten sich von der Drohung der Hacker wenig begeistert.

Platz 5: "Emojis, die jeder falsch benutzt: Unicode plant Reform" (135.673)

foto: screenshot

Traurig oder müde? Schockiert oder grantig? Nicht immer bedeuten Emojis das, wofür sie im allgemeinen Gebraucht stehen. Deshalb hat Unicode angekündigt, deutlichere Symbole anzubieten.

Platz 6: "Stehlende Flüchtlinge: Strache löscht Posting nach Billa-Dementi" (120.521)

foto: standard/cremer

Es war ein Facebook-Eintrag eines "besorgten Bürgers", den FPÖ-Chef Strache auf seiner Pinnwand teilte: Dieser berichtete davon, dass Horden von Flüchtlingen einen Billa in Wien geplündert haben sollen. Allerdings stimmte das nicht – sowohl Billa als auch die Polizei dementierten. Strache löschte den Eintrag wieder.

Plätze 7-10: Hasskampagnen und FPÖ-Bredouillen

Auch die restlichen vier Geschichten der Top 10 hatten mit der Flüchtlingskrise oder der FPÖ zu tun. 118.998 Visits konnte ein Bericht über unwissende "Asylgegner" erreichen, die gegen die "Moschee am Karlsplatz" protestierten. Tatsächlich handelte es sich dabei um die Karlskirche – ein Satire-Artikel hatte die Menschen auf die falsche Fährte gelockt. Für heftige Debatten (113.704 Visits) sorgte indes der Verkaufsstopp von Halal-Fleisch bei Spar. Die Supermarkt-Kette hatte sich nach einem rassistischen Shitstorm dafür entschieden.

Auf Platz 9 landete mit 112.834 Visits ein eher skurrile Episode: Zib-Moderator Armin Wolf verteidigte einen Strache-Sager und wurde dennoch auf Facebook von FPÖ-Fans beschimpft, die ihn wohl falsch verstanden hatten. Auf Platz 10 folgt mit 107.166 Visits ein Artikel über Internetprobleme der FPÖ: Die Partei verwies in einer Broschüre auf "Moscheenstopp.at", sicherte sich jedoch "Moscheenstop.at" – eine Bürgerin kaperte daraufhin die erstgenannte Domain. (red, 10.1.2016)

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