Geiseln von jüdischem Supermarkt ziehen Anzeige gegen Sender zurück

8. Jänner 2016, 14:48
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BFMTV hatte über versteckte Geiseln in Hyper Cacher berichtet

Paris – Ein Jahr nach dem blutigen Angriff auf einen jüdischen Supermarkt in Paris haben damalige Geiseln ihre Anzeige gegen den Nachrichtensender BFMTV zurückgezogen. BFMTV, der während der Geiselnahme über in einer Kühlkammer versteckte Geiseln berichtet hatte, will im Gegenzug 60.000 Euro an eine jüdische Hilfsorganisation spenden und drückte am Freitag in einer Erklärung sein "tiefstes Bedauern" aus.

BFMTV hatte während der Geiselnahme am 9. Jänner 2015 berichtet, dass sich mehrere Menschen in einer Kühlkammer des Supermarkts Hyper Cacher im Osten von Paris vor dem Islamisten Amedy Coulibaly versteckt hielten. Sechs Geiseln warfen dem Sender vor, damit ihr Leben gefährdet zu haben, und erstatteten Anzeige.

Die damalige Berichterstattung sei ein "Fehler" gewesen und hätte für die Geiseln "dramatische Folgen" haben können, erklärte BFMTV nun in einer von den Klägeranwälten veröffentlichten Erklärung. Der Sender entschuldigte sich ausdrücklich bei allen Geiseln.

Fünf Menschen getötet

Coulibaly hatte den jüdischen Supermarkt zwei Tage nach dem tödlichen Angriff auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten attackiert. Der Islamist, der die "Charlie Hebdo"-Angreifer kannte, tötete in dem Supermarkt vier Juden. Am Tag vor der Geiselnahme hatte er eine Polizistin erschossen.

Coulibaly wurde bei der Erstürmung des Hyper Cacher von Elite-Polizisten erschossen. Zeitgleich erschossen Sondereinheiten die "Charlie Hebdo"-Attentäter, die sich in einer Druckerei nördlich von Paris verschanzt hatten. (APA, 8.1.2016)

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