Tirol plant Fünf-Euro-Wohnungen für Geringverdiener

8. Jänner 2016, 13:23
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Wohnbaulandesrat Tratter will in nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 700 Wohnungen für Einkommensschwache schaffen

Das Land Tirol will für Menschen mit geringem Einkommen Wohnungen mit einem Mietpreis von rund fünf Euro brutto – also inklusive Heiz- und Betriebskosten sowie Umsatzsteuer – pro Quadratmeter im geförderten Wohnbau realisieren. Sein Wunsch sei es, in den nächsten zwei bis drei Jahren "500 bis 700 Wohnungen" mit zwei oder drei Zimmern zu diesem Quadratmeterpreis auf den Markt zu bringen, sagte der zuständige Landesrat Johannes Tratter (ÖVP) am Freitag auf einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Baurechts-Grundstücke gesucht

Dieses "Rennen" sei in erster Linie "über die Baukosten" zu gewinnen – man will deshalb bei der Ausstattung sparen (siehe unten) –, aber auch über die Grundstücke: Man suche nun "gut situierte" Baugründe in der Größenordnung zwischen 1.000 und 2.000 Quadratmetern, so Tratter. Darauf sollen Kleinwohnanlagen mit 15 bis 25 Wohnungen entstehen. Die Einkommensgrenze, bis zu der solche Wohnungen für Geringverdiener infrage kämen, soll bei zwei Dritteln der bestehenden Höchstgrenze in der Wohnbauförderung eingezogen werden.

Neben den Gemeinden seien auch die Kirche und Private gefordert, entsprechende Grundstücke anzubieten. Diese sollen von Gemeinden im Wege des Baurechts über 50 Jahre den gemeinnützigen Bauträgern zur Verfügung gestellt werden. Das Land werde selbst Grundstücke, etwa vom Tiroler Bodenfonds, zur Verfügung stellen und Gelder der Wohnbauförderung einbringen, kündigte Tratter an. Auch die gemeinnützigen Bauträger stünden "bereit", so Tratter, und es gebe auch bereits erste Gemeinden, die an der Umsetzung eines derartigen Bauvorhabens interessiert seien. 85 Prozent der Wohnungen sollen über die jeweilige Gemeinde vergeben werden, 15 Prozent durch das Land.

Keine Tiefgaragen

Die Einheiten würden laut dem Landesrat eine einfache Ausstattung bzw. "Einschränkungen" aufweisen. So sei etwa der Verzicht auf ein Kellergeschoß bzw. eine Tiefgarage vorgesehen. Man setzt laut Aussendung aber auch auf "Kompaktheit" des jeweiligen Gebäudes, mit einfachen Grundrissen sowie "einfacher statischer Konstruktion" und dem "Einsatz von standardisierten Konstruktionen". Außerdem werden "kostengünstige Materialien" und "einfache Grundausstattung" sowie "einfache, wartungsarme Haustechnik" vorgeschrieben.

Der Maßnahmenkatalog erinnert ein wenig an den im Juni 2014 bekanntgewordenen und per Anfang 2015 in Oberösterreich eingeführten "Standardausstattungskatalog" im geförderten Wohnbau.

Tratter sprach von einem "Bündel von Maßnahmen" und einem "Weg zu einem echten sozialen Wohnbau unter den heutigen technischen Voraussetzungen". Der ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) nannte das "5 Euro"-Projekt eine "sehr engagierte Zielsetzung" und eine "entscheidende Maßnahme", Wohnungssuchenden mit geringem Einkommen den Zugang zu leistbarem Wohnraum zu ermöglichen. Zum Vergleich: Der Richtwert in Tirol, an dem sich die Nettomieten im Altbau orientieren, liegt aktuell bei 6,58 Euro je Quadratmeter. (mapu/APA, 8.1.2016)

  • Wohnbaulandesrat Johannes Tratter (l.) und Landeshauptmann Günther Platter wollen billige Wohnungen schaffen.
    foto: land tirol/sax

    Wohnbaulandesrat Johannes Tratter (l.) und Landeshauptmann Günther Platter wollen billige Wohnungen schaffen.

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