Zweifel an Identität des Pariser Angreifers

8. Jänner 2016, 13:40
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Handyspur führt nach Deutschland – Terrorstaatsanwalt: Isolierte Einzeltäter können jederzeit zuschlagen

Paris – Nach dem Angriff auf ein Pariser Polizeirevier rätseln die Ermittler weiter über die Identität des erschossenen Täters – eine mögliche Spur führt nach Deutschland. Der Mann trug ein Handy mit einer deutschen SIM-Karte bei sich, wie Staatsanwalt François Molins am Freitag sagte. Der Angriff am Jahrestag des Anschlags auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" schürte die Angst vor weiteren Attentaten.

"Wir müssen daran arbeiten, die Identität feststellen", sagte der Pariser Staatsanwalt Molins dem Sender France Inter. Unter anderem werde das bei dem Mann gefundene Handy ausgewertet. Ermittlern zufolge gab der nach einem Diebstahl 2013 in Südfrankreich festgenommene Mann damals an, sich in der Vergangenheit auch in Deutschland und Italien aufgehalten zu haben.

Der Angreifer hatte am Donnerstag mit einem Metzgerbeil bewaffnet und "Allahu Akbar" (Gott ist groß) rufend Polizisten vor einem Kommissariat im Pariser Viertel Goutte d'Or nahe des Touristenmagneten Montmartre attackiert. Die wachhabenden Polizisten erschossen den Mann, der auch eine Sprengstoffgürtelattrappe trug.

Bekennerschreiben gefunden

Bei der Leiche wurde ein Bekennerschreiben mit einer Fahne der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gefunden, in dem der Mann IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schwört. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete deswegen Terrorermittlungen ein.

Unter Hochdruck versuchten Ermittler am Freitag weiter, die Identität des Angreifers zu klären. Die Fingerabdrücke der Leiche stimmen zwar mit denen des Mannes überein, der 2013 wegen eines Diebstahls 2013 festgenommen wurde; der Mann hatte damals aber keine Papiere bei sich. Er gab sich selbst als 1995 in Casablanca geborener Marokkaner ohne festen Wohnsitz namens Sallah Ali aus.

"Ich bin überhaupt nicht sicher, ob die Identität, die er angegeben hat, echt ist", sagte Staatsanwalt Molins nun. Er verwies unter anderem auf das gefundene Bekennerschreiben: Dort bezeichne sich der Angreifer als Tunesier und nicht als Marokkaner.

Nach Angaben aus informierten Kreisen nennt sich der Mann in dem Schreiben außerdem Tarek B. Dieser Name ist den Sicherheitsbehörden nicht bekannt – und könnte ebenfalls falsch sein. Die Identifizierung von Attentätern ist häufig sehr schwierig. So ist nach den Anschlägen vom 13. November die Identität von drei Männern, die sich in die Luft gesprengt haben, nach wie vor nicht geklärt.

Mittel, um Spuren zu verwischen

"Von Jihadisten wird verlangt, dass sie nicht ihre echten Ausweispapiere bei sich haben, um die Arbeit der Ermittler nicht zu erleichtern, etwa wenn eine Operation scheitert", sagte ein Ermittler. "Eine falsche Identität kann auch ein Mittel sein, Spuren zu verwischen."

Die Attacke vom Donnerstag, die sich nahezu zur gleichen Uhrzeit ereignete wie der Anschlag auf "Charlie Hebdo" ein Jahr zuvor, ließ die Sorge vor weiteren Anschlägen in Frankreich weiterwachsen. Staatsanwalt Molins – Frankreichs oberster Anti-Terror-Ermittler – warnte, es gebe nicht nur die Gefahr groß angelegter, durchorganisierter Anschläge wie am 13. November mit 130 Toten. Es könnten jederzeit auch "isolierte" Einzeltäter zuschlagen wie am Donnerstag. (APA, 8.1.2015)

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