Bundespräsidentenwahl: Unterwerfungsdramatik

Kommentar8. Jänner 2016, 08:43
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Das Getue um die Präsidentschaftskandidatur nervt

Hat jetzt endlich auch der 47. Zwerg von rechts erklärt, welch toller Bundespräsident Erwin Pröll wäre? Es gab offenbar der Huldigungserklärungen genug. Der niederösterreichische Landeshauptmann hat sich lange geziert, es blieb dann ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner vorbehalten, die Entscheidung kundzutun: Erwin Pröll wird nicht antreten. Wer auch immer es tut: Er oder sie wird nur der oder die Zweitbeste aus der ÖVP sein.

Das Getue um die Präsidentschaftskandidatur nervt. Die Herablassung, mit der Pröll mit einer Kandidatur kokettierte, tut weder ihm noch dem Amt gut. Allerdings hatte Pröll selbst das Amt des Bundespräsidenten vor ein paar Jahren infrage gestellt. Vielleicht ist das Amt tatsächlich nicht so wichtig – und die Kandidaten sind es auch nicht. Der oder die Zweitbeste der ÖVP wird jetzt einigen Erklärungsbedarf haben. Nicht einfach, daraus Motivation für einen glaubwürdigen Wahlkampf zu schöpfen.

Auch bei anderen Parteien lassen sich die Kandidaten bitten, selbst wenn das nicht in einer derartigen Unterwerfungsdramatik abläuft wie bei der ÖVP. Bei den Grünen soll Alexander Van der Bellen ran. Er wird als parteiunabhängiger Kandidat antreten – er geht also auf Distanz zur eigenen Partei, deren Vorsitzender er einmal war, um seine Chancen zu maximieren.

Das wird ein seltsamer Wahlkampf. (Michael Völker, 7.1.2016)

  • Getue um den Einzug in die Hofburg.
    foto: heribert corn, corn.at

    Getue um den Einzug in die Hofburg.

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