Sternsinger in der Hofburg: Lerchensang für einen König

7. Jänner 2016, 17:13
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Dem Herrn Bundespräsidenten wurde es warm ums Herz, die "Seitenblicke" waren dabei

Zum letzten Mal bekam UHBP Besuch aus dem Morgenland. Die Sternsinger betraten die Wiener Hofburg, um Heinz Fischer, einen bekennenden Atheisten, mit dem nachkonziliaren Liedgut unserer Heiligen Mutter Kirche vollends auszusöhnen.

Sei es, dass die Gewohnheit die verstockten Seelen derer erweicht, die auch ohne liebes Jesuskind sehr gut ihr Auslangen finden. 40 kleine Melchiors, Balthasars et cetera ließen jedenfalls ihre glockenhellen Stimmen erschallen. Und wirklich: Dem Herrn Bundespräsidenten wurde es warm ums Herz. Wie in den Seitenblicken zu sehen, verfiel er in schüchternes Mitklatschen. Es mag ihn ein Gefühl der Nostalgie sehr unmittelbar angefasst haben. Womöglich wollte er aber auch nur die Handinnenflächen von Keksresten befreien. Jedenfalls zeigten sich die kleinen Racker von ihrem Ersatz-Betlehem am Wiener Heldenplatz angetan. "I gfrei mi", äußerte ein kleiner, weiser Raffael (elf Jahre).

Fischers langer Abschied aus der Hofburg erforderte natürlich einschneidende Maßnahmen. Dieser republikanischste aller Politiker wurde flugs zum Ehrenkönig ernannt. Es fand sich niemand, der den Mann mit der Pappkrone zum Mitsingen aufgefordert hätte. Doch dafür wurden die kleinen Gäste im Gegenzug mit großzügigen Spenden für Nordostindien und kaum fingerhutgroßen Gläsern Orangensaft abgefunden. Vielleicht war ja Wodka drin.

Zweierlei fiel auf. Erstens: Das "Blackfacing" ist bei den Sternsingern aus der Mode. Zweitens: Die Lerchen leben gefährlich. Bereits Dienstag war eine Klosterneuburger Abordnung in einem Lift steckengeblieben. Die Feuerwehr musste die Goldkehlen aus ihrer hermetischen Lage befreien. (Ronald Pohl, 7.1.2016)

Link zur ORF TVThek
"Seitenblicke" zum Nachsehen

  • Heinz Fischer.
    foto: screenshot / orf tvthek

    Heinz Fischer.

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