Heinz Kuttin: "Bestimmte Leute haben unter der Gürtellinie agiert"

Interview7. Jänner 2016, 17:03
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ÖSV-Cheftrainer Kuttin kann Gregor Schlierenzauers Entscheidung, die Saison zu beenden, nachvollziehen. Er glaubt, dass Schlierenzauer 2018 olympisch springen wird, und kritisiert bestimmte Medien

STANDARD: Überrascht es Sie, dass sich Gregor Schlierenzauer eine Auszeit nimmt?

Kuttin: Gar nicht. Das hat sich schon während der Tournee abgezeichnet.

STANDARD: Lassen sich die Ursachen zusammenfassen?

Kuttin: Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung. Gregor hat in der Vorbereitung hervorragend gearbeitet, hat Ende September souverän den Sommer-Grand-Prix in Hinzenbach gewonnen. Dann ist es nicht so gelaufen, er hat sich aber nichts vorzuwerfen, hat alles probiert. Andere Dinge sind noch dazugekommen.

STANDARD: Welche Dinge?

Kuttin: Sein Privatleben, das er selbst nie in die Auslage gestellt hat, wurde öffentlich gemacht. Bestimmte Leute, vor allem im Journalismus und in Tirol, haben unter der Gürtellinie agiert. Da gibt es einige, die sich nicht korrekt verhalten haben.

STANDARD: Wo liegt das sportliche Problem, gibt es da den einen springenden Punkt?

Kuttin: Der Übergang Absprung/Luftphase ist unsicher gewesen, vor allem daran haben wir gearbeitet.

STANDARD: Wie, denken Sie, wird es mit Gregor weitergehen?

Kuttin: Gregor hat eine klare Vision. Er wird jetzt einmal Abstand gewinnen und sich eine Aufgabe suchen, sich in irgendeiner Form weiterbilden. Wenn es so weit ist, wird er eine Entscheidung treffen, und die wird zu hundert Prozent richtig sein.

STANDARD: Wann könnte das sein?

Kuttin: Ich hoffe, er beehrt uns bald wieder. Aber Gregor ist in einer Situation, in der es kein Datum gibt und in der es auch kein Datum geben darf.

STANDARD: Die Sprungski verschwinden jetzt einmal im Keller?

Kuttin: Auch das ist nicht gesagt. Vielleicht hat es im Februar einmal ein geiles Wetter, und Gregor packt, wenn es ihn juckt, seine Sprungski aus und geht springen. Einfach so, nur für sich. Ich steh grad in Villach an der Schanze, die Sonne scheint, am liebsten tät ich jetzt selbst da runterspringen.

STANDARD: Gregor Schlierenzauer hat gewonnen, was es zu gewinnen gibt, zweimal den Gesamtweltcup, zweimal die Tournee, mehrere WM-Titel, 53 Weltcupbewerbe, Olympiagold mit der Mannschaft. Das Einzige, was ihm fehlt, ist ein olympischer Einzeltitel. Wie groß, wie wichtig ist dieses Ziel für ihn?

Kuttin: Er darf nicht verkrampfen. Es gibt viele tolle Sportler, die irgendetwas nicht gewonnen haben. Man denke nur an den Simon Ammann, auch ein toller Springer, ein großer Mensch, ein Kämpfer. Aber er hat nie die Vierschanzentournee gewonnen. Irgendetwas kann immer passieren. Oder denken wir an die jüngste Tournee. Peter Prevc hätte wahrscheinlich den Grand Slam geschafft, wenn die Jury in Oberstdorf nicht einen Fehler gemacht hätte.

STANDARD: Glauben Sie, dass Schlierenzauer bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea mitspringen wird?

Kuttin: Ja, das glaube ich. (Fritz Neumann, 7.1.2016)

  • Heinz Kuttin (links) über Gregor Schlierenzauer: "Er ist in einer Situation, in der es kein Datum gibt."
    foto: apa/eggenberger

    Heinz Kuttin (links) über Gregor Schlierenzauer: "Er ist in einer Situation, in der es kein Datum gibt."

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