Neuer #Aufschrei, neue Herausforderungen

8. Jänner 2016, 08:11
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Eine Rundschau im Zeichen der aktuellen Diskussion um sexuelle Gewalt gegen Frauen, über Instrumentalisierung, Relativierung, und was ein Wohnungsbrand damit zu tun hat

Viel wurde geschrieben über die Gewalttaten in Köln. In sozialen Medien sowieso, und auch von traditionellen Medien wurden zahlreiche Einordnungen versucht, obwohl noch einige Fragen offen waren und sind. Trotzdem: Es gab einiges zu sagen im Zuge der aufflammenden Debatte um sexuelle Gewalt, Männer mit Migrationshintergrund und die derzeit vieldiskutierten möglichen Zusammenhänge zwischen Ersterem und Zweiterem.

Sascha Lobo beschäftigte sich auf "Spiegel online" etwa mit dem digitalen Mob, instrumentalem Rassismus und nimmt dabei lesenswerte Differenzierungen vor, denn: "Differenzierung ist Zivilisation." Um Instrumentalisierung geht es auch in Hilal Sezgins Kommentar "Ich bin es leid" in der "Zeit online". Leid ist sie es, dass über sexuelle Gewalt erst dann geredet wird, wenn man eigentlich etwas ganz anderes anprangern will: "Was interessiert, ist immer nur die Frage, was sexualisierte Gewalt für ein anderes Thema bedeutet, in diesem Fall also für die Aufnahme von Flüchtlingen und für Schengen."

Der in den letzten Tagen immer wieder laut gewordene Vorwurf an Feministinnen, nun die Vorfälle zu verharmlosen, weil es sich um Flüchtlinge handeln könnte, kommentiert "Spiegel online"-Kolumnistin Margarete Stokowski als "absurd" und hilft mit einem eindrücklichen Vergleich nach: "Es ist, als würde jemand rufen: 'Es brennt in der Küche!' und jemand antwortet: 'Im Wohnzimmer auch!', und dann sagt der Erste: 'Ach was, du willst also nicht die Feuerwehr rufen?'."

In der "taz" schreibt Dinah Riese, dass es ein trauriger, aber kein neuer Umstand ist, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen bei Großveranstaltungen laufend passiert. "Die Schuld wird dabei den betroffenen Frauen übergehäuft – zu kurz der Rock, zu einladend der Blick", schreibt die Journalistin und verweist auf die "Verhaltenshinweise für Frauen" des Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers und der Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Über Empfehlungen für Frauen gab es auch in Österreich Aufregung: Die "Kronen Zeitung" zitierte den Wiener Polizeichef Gerhard Pürstl, dass "Frauen generell nachts in Begleitung" unterwegs sein sollten. Daraufhin wurde Kritik laut, dass einmal mehr Frauen Ratschläge erteilt würden, wie sie sexuelle Gewalt verhindern könnten, anstatt Männer endlich in die Pflicht zu nehmen. Gerhard Pürstl sprach auf Anfrage des "Falter"-Journalisten Florian Klenk von einer "verstümmelten Darstellung", es habe sich dabei um Präventionstipps, die auf der Homepage des B.MI und beispielsweise auch in Präventionsfoldern nachzulesen seien, gehandelt.

Und schließlich gab #Aufschrei-Mitinitiatiorin Anne Wizorek ein sehenswertes Interview in der Morgenshow des ZDF, in dem sie über Sexismus-Debatten im Allgemeinen und den Vorwurf spricht, dass liberale Medien oder Feministinnen die aktuellen Übergriffe auf Frauen in Köln tabuisieren würden. (red, 8.1.2016)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • Wird die am Kölner Hauptbahnhof passierte sexuelle Gewalt relativiert? Mit diesem und anderen Vorwürfen beschäftigten sich diese Woche zahlreiche JournalistInnen.
    foto: apa / oliver berg

    Wird die am Kölner Hauptbahnhof passierte sexuelle Gewalt relativiert? Mit diesem und anderen Vorwürfen beschäftigten sich diese Woche zahlreiche JournalistInnen.

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