Tresor mit Lateinmatura-Fragen geknackt: Zwei Jahre Haft

7. Jänner 2016, 15:31
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Der Wiederholungstäter hatte in dem Kuvert mit den Maturafragen Bargeld vermutet

Salzburg – Der Einbruch in das Akademische Gymnasium in Salzburg im Mai 2015 hat in ganz Österreich für Aufregung gesorgt. Bei der Suche nach Bargeld zwängte der Täter den Schultresor auf und öffnete ein Kuvert mit den Fragen für die Latein-Zentralmatura. Am Donnerstag wurde der 32-Jährige wegen gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahls von einem Schöffensenat am Salzburger Landesgericht zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

"Was haben sie erwartet, was in dem Kuvert drinnen ist?", fragte die Vorsitzende Richterin Martina Pfarrkirchner den schmächtigen Mann. "Bargeld", antwortete der Angeklagte knapp. "Das hat österreichweit für Entsetzten gesorgt", meinte die Richterin. "Ja, das hab ich dann auch gemerkt", sagte der 32-Jährige. Die Zentralmatura konnte zwar wie geplant am 13. Mai 2015 stattfinden. Die 700 Lateinmaturanten an 115 Schulen österreichweit bekamen aber die für solche Fälle vorbereiteten Ersatzaufgaben.

Insgesamt gestand der Mann, der acht Mal einschlägig vorbestraft ist, 17 Einbrüche in Schulen, Studentenheime, Unis, dem Roten Kreuz und in der Arbeiterkammer zwischen Jänner und Mai 2015. Mit den Einbrüchen wollte sich der 32-Jährige seine Drogensucht finanzieren. "Die Drogen sind relativ teuer", betonte er. Erst im Oktober 2014 wurde er aus einer Haft entlassen. Danach sei er schnell wieder in dieselben Kreise geraten und in die Drogensucht gerutscht.

Überblick über Einbrüche verloren

Er zeigte sich am Donnerstag voll geständig im Sinne der Anklage. Ganz erinnern konnte sich der Angeklagte an die einzelnen Einbrüche und Diebstähle im Detail aber nicht mehr. "Bei so vielen Schulen hab ich den Überblick verloren", erklärte er. Die ihm vorgeworfenen Delikte würden schon so stattgefunden haben. "Die Polizei hat gesagt, dass es nach meinem Stil ausschaut", sagte der Angeklagte den Schöffen. "Was ist ihr Stil?", hakte Richterin Pfarrkirchner nach. "Die Türe mit einem Brecheisen aufhebeln."

Das Geld musste er nach den Einbrüchen teilweise noch mühsam zusammensuchen: Er brach Kaffee- und Getränkeautomaten auf, knackte Handkassen und Tresore. Manchmal bescherten ihm seine Diebeszüge nur 15 Euro. Bei einem Einbruch bei einem Orthopäden fand er 6.000 Euro in einem Wandtresor, den er aufgebrochen hatte, vor. Auch in der Pädagogischen Hochschule hatte der 32-Jährige Glück und fand eine Bankomatkarte mit dem zugehörigen Code, mit der er anschließend 980 Euro abheben konnte.

Mildere Strafe durch Reform

Auch mit seinem Prozesstermin hatte der 32-Jährige Glück. Durch die Strafrechtsreform gelten seit 1. Jänner 2016 neue Strafrahmen für Vermögensdelikte. Wäre sein Prozess noch im Jahr 2015 verhandelt worden, hätten dem 32-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft gedroht. Nun liegt der Strafrahmen für schweren gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahl bei bis zu fünf Jahren. Der Schöffensenat einigte sich auf zwei Jahre unbedingt.

Mildernd wertete das Gericht sein Geständnis, das auch zur Aufklärung beitrug. Nachgewiesen wurde dem Mann zunächst nur ein Einbruch, er gestand aber die 16 weiteren. Erschwerend war allerdings, dass er rasch strafrückfällig geworden war und an einem Einbruchstag sogar einen Prozess am Bezirksgericht hatte.

Der Angeklagte nahm das Urteil am Donnerstag bereits an. Staatsanwalt Leon-Atris Karisch hat noch keine Erklärung abgegeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Stefanie Ruep, 7.1.2016)

  • Der Einbruch im Akademischen Gymnasium in Salzburg hat im Mai 2015 für Aufregung gesorgt. Die Lateinmatura wurde geöffnet. Der Täter war aber nur auf der Suche nach Bargeld.
    foto: apa/neumayr/mmv

    Der Einbruch im Akademischen Gymnasium in Salzburg hat im Mai 2015 für Aufregung gesorgt. Die Lateinmatura wurde geöffnet. Der Täter war aber nur auf der Suche nach Bargeld.

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