Kugelsternhaufen könnten fremde Zivilisationen beherbergen

9. Jänner 2016, 18:30
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Das hohe Alter der dichten stellaren Ansammlungen gibt potenziellem Leben viel Zeit, sich zu komplexen Formen zu entwickeln

Kissimmee – Kugelsternhaufen sind ganz besondere kosmische Objekte: In einem Bereich von nur rund 100 Lichtjahren Durchmesser drängen sich dort Millionen von Sternen, von denen die meisten ein ungewöhnlich hohes Alter aufweisen. Viele der stellaren Methusalems entstanden bereits kurz nach der Geburt des Universums. Gerade dieses hohe Alter und die geringen Distanzen zwischen den Sternen könnten Kugelsternhaufen zu geradezu idealen Orten für die Entwicklung von fortschrittlichen außerirdischen Zivilisationen machen, glauben US-Astronomen.

Unsere Galaxie verfügt über etwa 150 Kugelsternhaufen, die meisten von ihnen sind in den Randbereichen der Milchstraße angesiedelt. Sie bildeten sich durchschnittlich vor mehr als 10 Milliarden Jahren, was bedeutet, dass ihre Sterne nur zu einem sehr geringen Anteil aus schweren Elementen bestehen. Bisher ging man davon aus, dass sich dieser Mangel an beispielsweise Eisen und Silizium eher ungünstig auf die Entstehung von Planeten auswirken würde. Rosanne DiStefano vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) widerspricht dieser Ansicht: Man habe bereits Exoplaneten um Sterne entdeckt, die nur ein Zehntel der Menge an schweren Elementen unserer Sonne besitzen, meint die Astronomin. Insbesondere für kleine Felsplaneten würden selbst geringere Metall-Rationen völlig ausreichen.

Gefährliches Gedränge?

Selbst wenn geeignete Exoplaneten in ausreichender Anzahl vorhanden sein sollten, das große Sternengedränge innerhalb der Kugelsternhaufen würde die Entstehung von Leben alles andere als begünstigen, so die bisherige Ansicht. Die Gefahr ginge vor allem von benachbarten Sternen aus, die einander zu nahe kommen und dabei Wirbel in die Umlaufbahnen ihrer jeweiligen Exoplaneten bringen – schlimmstenfalls könnten einige Welten durch die Gravitation naher Sterne aus ihrem System gekickt werden.

Auch hier kommen DiStefano und ihre Kollegen in ihrer Studie, die sie beim aktuellen Treffen der American Astronomical Society in Kissimmee, Florida, vorstellten, zu anderen Ergebnissen: Nachdem größere, kurzlebige Sterne bereits vor langer Zeit erloschen sind, dominieren seit Jahrmilliarden leuchtschwache Rote Zwergsterne die Kugelsternhaufen. In solchen Systemen liegt die habitable Zone verhältnismäßig nahe bei den Sternen, vermutlich nahe genug, um eventuell vorhandene Exoplaneten vor interstellaren Wechselwirkungen weitgehend zu schützen.

Leben mit viel Zeit

"Haben sich erst einmal Planeten gebildet, so könnten diese wahrscheinlich über äußerst lange Zeiträume hinweg überleben", meint DiStefano. Das würde auch potenziell vorhandenes Leben eine riesige Zeitspanne geben, um sich zu entwickeln. Nach Ansicht der Forscher lässt sich kaum abschätzen, welche komplexen Formen das Leben dabei annehmen könnte. Dass in 10 Milliarden Jahren auch intelligente, womöglich sogar raumfahrende Spezies in Erscheinung treten, sei jedenfalls durchaus vorstellbar.

Eine solche Zivilisation würde freilich gänzlich andere Gegebenheiten vorfinden als wir. Während der sonnennächste Stern vier Lichtjahre entfernt ist, liegen in einem Kugelsternhaufen die Distanzen zwischen den Sternen in einzelnen Fällen bei weniger als drei Lichtmonaten. Wäre die Sonne Teil eines Kugelsternhaufens, dann hätten die Voyager-Sonden bereits ein Zehnten der Strecke zum nächsten Stern zurück gelegt.

"Wir nennen das den 'Kugelsternhaufen-Vorteil'", meint DiStefano. "Eine Nachricht zum nächst gelegenen Stern zu senden, würde kaum länger dauern, wie der Briefwechsel zwischen Amerika und Europa während des 18. Jahrhunderts." Eine potenzielle extraterrestrische Zivilisation in einem Kugelsternhaufen zu entdecken, wäre allerdings keine leichte Aufgabe. Der nächst gelegene Kugelsternhaufen liegt immer noch mehrere Tausend Lichtjahre entfernt. Selbst das Aufspüren von Exoplaneten ist bei diesen Zusammenballungen von Sternen in solchen Distanzen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Ein "Lauschangriff" etwa im Rahmen des SETi-Projektes könnte dagegen durchaus lohnende Ergebnisse liefern, glauben die Wissenschafter. (red, 9.1.2016)

  • 47 Tucanae zählt zu den hellsten Kugelsternhaufen der Milchstraße. Das in der Nähe der Kleinen Magellanschen Wolke liegende Objekt hat einen Durchmesser von 120 Licjtjahren, beherbergt mehrere Millionen Sterne und ist mehr als 13 Milliarden Jahre alt.
    foto: nasa/esa/hubble heritage (stsci/aura)-esa

    47 Tucanae zählt zu den hellsten Kugelsternhaufen der Milchstraße. Das in der Nähe der Kleinen Magellanschen Wolke liegende Objekt hat einen Durchmesser von 120 Licjtjahren, beherbergt mehrere Millionen Sterne und ist mehr als 13 Milliarden Jahre alt.

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