Salzburg: Skitour hoch über dem Tauerntunnel

8. Jänner 2016, 14:12
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Im Berg rumort der Verkehr, hoch droben gibt’s Idylle. Die Hochwintertour auf den Schöpfing in Zederhaus erinnert auch an die Nutzungskonflikte in den Alpen

Genau genommen ist der 2.134 Meter hohe Schöpfing ja eigentlich nur der letzte Punkt am Ausläufer des Südgrates, der vom Kleinen Mosermandl (2.538 m) herunterzieht. So unspektakulär der Gipfel sein mag, als einfache Hochwinterskitour ist er ein Traumtipp. Durch die relativ hohe Ausgangslage von rund 1.350 Meter Seehöhe und die spezielle Lage von Zederhaus – schlechtes Nordwestwetter schwappt über den Tauernkamm gerade noch drüber, Schlechtwetter von Süden staut exakt hier an – ist er auch vergleichsweise schneesicher.

Auch als Ausweichtour bei unsicheren Bedingungen ist der Schöpfing gefragt. Und während auf der gegenüber liegenden Aignerhöhe der Wind auf dem freien Nordwesthang den Schnee oft arg misshandelt hat, hält sich hier am Schöpfing in den windgeschützten Leegräben der Pulver oft tage- wenn nicht wochenlang. Wie die Bedingungen aktuell sind, erfragt man übrigens am besten beim Kirchenwirt in Zederhaus. Peter Gruber ist selbst leidenschaftlicher Tourengeher und weiß genau Bescheid, wie es auf seinen Heimatbergen gerade aussieht.

foto: thomas neuhold
Die Muhreralm ist der zentrale Punkt für Touren im Zederhauser Großkesseltal.

Am Weg auf den Schöpfing quert man exakt die Trasse des Tauerntunnels. Wer von der Kößlerhiasalm über die verschneite Hochfläche seine Spur zieht, vergisst das Rumoren und Brummen im Berg ganz schnell.

Auch sonst wird es im Zederhaustal langsam immer ruhiger. Als infolge des schweren Unfalls mit zwölf Toten im damals noch einröhrigen Tauerntunnel im Mai 1999 beschlossen wurde, die zweite Röhre in den Berg zu treiben, rangen die tapferen Zederhauser Bund und Land eine Einhausung der Autobahn in ihrem Talabschnitt ab. Im Dezember vergangenen Jahres wurde der erste Teilabschnitt der Einhausung dem Verkehr übergeben.

Die Route

Startplatz ist der Parkplatz auf der Talstraße nahe des Tunnelsüdportals. Von hier entlang der Straße an der Jägerkeusche vorbei bis zur geschlossenen Mautstelle ins Riedingtal. Hier im spitzen Winkel in das Großkesseltal abzweigend bis zu Neuseßwirtalm.

Zu dieser Alm kommt man auch über den alten Almweg, der als Abschneider direkt von der Linkskurve bei der Jägerkeusche nach Norden ins Großkesseltal führt. Weiter geht es von der Neuseßwirtalm entlang der Almstraße nach Norden zu den Muhreralmen und in einem weiten Linksbogen von Nordwest auf West drehend nahe an die auffällige Entlüftungsanlage des Tauerntunnels heran. Hinter dieser Kurzzeiterinnerung an die diversen Nutzungskonflikte in unserem etwas eng gewordenen Alpenraum geht es über Gräben nach Westen zu einem dem Kleinen Mosermandl vorgelagerten Rücken. Zuletzt am südlichen Ende dieses Rückens kurz etwas steil hinauf – willkommen am Schöpfing.

Pulver oder Firn

So unscheinbar die Kuppe des Schöpfing angesichts seiner prominenten Nachbarn Mosermandl, Weißeck und Zwillingswand auch scheinen mag, so bietet er doch eine Besonderheit: Die Wahlmöglichkeit. Wenn oft auf der Nordseite noch Pulver in den Gräben zu finden ist, kann man sonnseitig hier schon Firn genießen. Dazu geht es recht rasant nach Südwesten hinunter zur Jakoberalm und dann in etwa entlang des Sommerweges nach Südosten auf die Riedingstraße hinunter, auf die man bei der Seppalm stößt. Zuletzt entlang der Straße retour nach Wald. (Thomas Neuhold, 8.1.2016)

karte: der standard

Anreise: Von Zederhaus taleinwärts bis zum Parkplatz am Talschluss in Wald nahe des Tauerntunnel-Südportals. Von Norden Tauernautobahn A10 Abfahrt Zederhaus, von Süden A10 Abfahrt St. Michael im Lungau.

Schwierigkeiten: Hochwintertour. 800 Höhenmeter und 2,5 Stunden im Anstieg.

Einkehr und Übernachtung: Treffpunkt aller Tourengeher ist der Kirchenwirt www.alpingasthof-kirchenwirt.at

Literatur: Thomas Neuhold, "Skitouren Light", Verlag Pustet, Salzburg 2015.

Karte: AV-Karte 45/2, "Niedere Tauern II", 1:50.000.

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