Album der Woche: Deafheavens "New Bermuda"

7. Jänner 2016, 14:33
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Deafheaven führen ihre Sicht von Black Metal als intellektuelle Kampfsportart fort

Die US-amerikanische Band Deaf heaven feierte ihren Durchbruch 2013 mit dem international vielbeachteten Album "Sunbather". Und Deafheaven um Sänger George Clarke wurden aufgrund ihres eklektizistischen Ansatzes bald als Studenten-Metal-Band verunglimpft. Immerhin wilderten die als lange Entwicklungsbögen konzipierten Stücke in jeweils gut zehnminütiger Länge nicht nur in durchaus modisch wie anachronistisch gelesenem Black Metal, einem Musikstil, der zwar schon in den 1990er-Jahren als Absage an den Rock ’n’ Roll wie jed wede Form von musikalischem Geschmack und Intellektualität gut ausdefiniert war. Sein rezeptorischer Höhepunkt wurde allerdings erst während der vergangenen Jahre auch dank mit Deafheaven verwandten Bands wie Liturgy und zugehörigen theoretischen Abhandlungen erreicht.

Dunkel und wesentlich

Zusätzlich zum Wüten und Toben und einem im Schlagbohrerfrequenzbereich klopfenden Schlagzeug sowie einem sich erst über die beigelegten Lyrics-Sheets erschließendem Gesang verwendeten die auch regelmäßig in Wien gastierenden Deafheaven neben zünftiger Lautstärke auch gern Stilmittel aus dem Indie-Rock. Speziell britische Shoegaze-Bands der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre hatten es der Band angetan. Und Stilmittel wie flächige Gitarrenteppiche, die zwischen Verzerrung, Feedback, Phaser-Effekten, Wah-Wah und Schrammelei angesiedelt sind, zeichnen auch die Kompositionen des Albums "New Bermuda" aus. My Bloody Valentine lassen hier ebenso grüßen wie Liedpassagen, die teilweise an die Melancholie von Gruftiepop-Größen wie The Cure erinnern.

Im Vergleich zu den menschenfreundlicheren Klängen von "Sunbather" ist "New Bermuda" nun dunkler und bedrohlicher geworden. Textlich geht es um die schweren Dinge wie die gute alte Lichtthematik. Zu wenig Sonne macht ja gern Vitamin-D-Mangel, und man wird schwermütig. George Clarkes Stimme kreischt nicht mehr ganz so hoch wie zuletzt. Es lässt sich also ein gewisser Reifeprozess verorten. Angenehm zu hören ist das alles natürlich nicht. Es klingt allerdings latent wesentlich. (schach, 7.1.2015)

Deafheaven – "New Bermuda" (Anti-Records)

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    foto: anti-records
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