Warum Trump wohl nicht US-Präsident wird

8. Jänner 2016, 12:21
286 Postings

Seit Monaten führt der Milliardär in fast jeder Umfrage. Aber was sagt das über seine Chancen, Kandidat der Republikaner zu werden? Oder gar Präsident?

In rund drei Wochen gibt es das erste Mal richtige Ergebnisse. Am 1. Februar werden die Republikaner im US-Bundesstaat Iowa entscheiden, wen sie ins Rennen um die Präsidentschaft schicken wollen. New Hampshire folgt nur acht Tage später. Bis dahin sind es die zahlreichen Online- und Telefonumfragen, die als Prognosewerkzeuge herhalten müssen. Und diese sprechen weiterhin für Donald Trump – zumindest auf den ersten Blick.

Trump gewinnt, Trump verliert

Die Website "Real Clear Politics", die unterschiedliche Umfragen zusammenfasst, sieht den Milliardär in landesweiten Umfragen bei rund 35 Prozent und damit gut 15 Prozentpunkten Vorsprung auf den Senator aus Texas, Ted Cruz, und den Senator aus Florida, Marco Rubio.

foto: apa/afp/getty images/scott eisen
Donald Trump führt in vielen Umfragen – aber nicht in allen.

Ein differenzierteres Bild ergibt sich bei einem Blick auf die Umfragewerte der Kandidaten nach Bundesstaaten. In Iowa sieht der kumulierte Umfragewert von "Real Clear Politics" schon einen Vorsprung von Cruz um 3,6 Prozentpunkte. Trump landet hier auf Platz zwei. In New Hampshire wiederum liegt Trump um 13,2 Prozentpunkte vorne. Bei Umfragen gilt allerdings generell Vorsicht, um sich nicht zu vorschnellen Schlüssen hinreißen zu lassen. Denn selbst wenn die ersten Vorwahlen bald anstehen, der Wahlkampf ist noch lang – und die Beliebtheitswerte der Kandidaten können sich dabei gravierend und auch schnell ändern. Bei der Präsidentschaftswahl 2008 lag beispielsweise Rudy Giuliani, der ehemalige Bürgermeister von New York, lange Zeit sehr weit vorne. Erst wenige Monate vor der Wahl setzte sich John McCain als Präsidentschaftskandidat der Republikaner durch – und verlor schließlich gegen Barack Obama.

Mehr als Umfragen: Geld, Wetten und Wahlempfehlungen

Die "New York Times" wählt einen anderen Weg zur Vorhersage der Präsidentschaftskandidaten und stützt sich neben den Umfragen auch auf Daten von Wettanbietern, die Zahl der Wahlempfehlungen für den jeweiligen Kandidaten oder auch darauf, wie gut gefüllt deren Wahlkampfkassen sind. Nach dieser Methode führt bei den Republikanern derzeit Marco Rubio. Trump liegt hier nur auf Platz drei.

wall street journal
Der erste von Donald Trump Anfang Jänner veröffentlichte Wahlkampfspot.

Kein Rückhalt in der Partei, unzuverlässige Wähler

Abgesehen von unzuverlässigen Umfragen sprechen auch weitere Punkte gegen Trump. Das Parteiestablishment steht nicht hinter ihm. Der Grund: Trump als Kandidat der Republikaner würde den Sieg der Demokraten garantieren. Präsidentschaftskandidaten müssen in der Lage sein, die moderate Mitte der Wählerinnen und Wähler anzusprechen – in diesem oft unentschiedenen Wählerspektrum werden Wahlen entschieden. Trump hätte kaum eine Chance, diese Wählergruppe für sich zu einzunehmen.

foto: reuters/brian snyder
Trump – der in der Parteielite ungeliebte Bewerber der Republikaner.

Schwache Wahlkampfmaschine

Trump fehlt auch eine funktionierende Wahlkampfmaschine – jene Freiwilligen, die in einzelnen Wahlbezirken an Haustüren klopfen und versuchen, die Wählerinnen und Wähler von einem Kandidaten zu überzeugen.

Republikaner ohne Strategie

Die Ablehnung der republikanischen Parteielite hat aber noch nicht dazu geführt, dass Trumps innerparteiliche Gegner eine Strategie gegen ihn entwickelt haben. Sie könnten aber auch auf den Faktor Zeit setzen: Trumps Wählerbasis zählt nicht zu jenen, die gern ihre Stimme abgeben. Unter den Unterstützern sind viele, die jahrelang nicht zur Wahl gegangen sind, und es ist nicht sicher, ob sie das diesmal tun werden. Ob sich also sein Erfolg in Umfragen auch auf sein Abschneiden bei Vorwahlen umlegen lässt, scheint zweifelhaft. (Michaela Kampl, 8.1.2016)

Share if you care.