"Loibl-Saga": Dokumente des Leids

7. Jänner 2016, 07:30
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Das Klagenfurter Ensemble mit einer Produktion über die Ereignisse im Kärntner Konzentrationslager Loibl

Klagenfurt – Zwei tattrige Ewiggestrige empören sich am Ende über einen Historiker, der am Loiblpass in der NS-Vergangenheit wühlt. "Ist es ein Jude?" "Nein, ein Tiroler, aber das ist in diesem Fall dasselbe!" Die Dialogszene, eine der wenigen des Abends, fasst skurril die wichtigsten Punkte zusammen: Der Tiroler ist Peter Gstettner, der in Innsbruck studiert hat, aber bereits ab 1981 in Kärnten Erziehungswissenschaften gelehrt und unermüdlich an der historischen Aufarbeitung der Ereignisse im Konzentrationslager Loibl gearbeitet hat.

Die Existenz dieses Doppellagers, in dem vom KZ Mauthausen bereitgestellte Zwangsarbeiter von Juni 1943 bis April 1945 südlich wie nördlich des Karawankengipfels an einem 1560 Meter langen Durchbruch arbeiten mussten, wurde lange Zeit verdrängt und vergessen. Erst 1964 wurde der bereits halb zerfallene Tiefbau renoviert und zweispurig benutzbar gemacht, gar erst 1995 wurde auf Kärntner Seite ein erstes Mahnmal errichtet. Denn auch das stimmt – das offizielle Kärnten hatte mit dem Kapitel jahrzehntelang wenig Freude, auch weil es in den Volksgruppenkonflikt hineinspielte, indem das Lager letztlich noch Wochen vor Kriegsende von slowenischen Partisanen befreit wurde.

Erwin Riess hat aus Peter Gstettners Publikationen für das Klagenfurter Ensemble eine zweisprachige textliche Grundlage erarbeitet, die der bewährte Regisseur Marjan Stikar in eindringliche Bilder umgesetzt hat. Einige der Hauptakteure der NS-Nomenklatur kommen vor, so der 1947 hingerichtete Kärntner Gauleiter Friedrich Rainer oder der berüchtigte Loibl-Lagerarzt Sigbert Ramsauer. Vor allem aber dokumentiert die Produktion die Leiden der Opfer des eisigen, auf fasst 1100 Meter Seehöhe gelegenen "Gefängnisses im Schnee".

Nicht wenige von ihnen kommen namentlich vor. Die unfassbare Brutalität der Aufseher erspart Stikar dem Publikum ebenso wenig wie ihren Zynismus. Ein bisschen Helligkeit leuchtet nur auf, wenn die verzweifelten Frauen von Brodi in traurigen Liedern die Schicksale ihrer in den Partisanenkampf gezogenen Männer beklagen. (Michael Cerha, 7.1.2016)

13. bis 16. 1.: theaterhalle 11, Info: 0463/31 03 00

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Klagenfurter Ensemble

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