Gottfried Mitterlehner rückt durch die Traunseeleichen ins Bild

Kopf des Tages6. Jänner 2016, 18:28
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Das Gesicht von Oberösterreichs Kriminalisten

Als Filmstoff wäre die Geschichte um die beiden im Traunsee gefundenen Leichen wahrscheinlich unglaubwürdig. Dass ein 72-Jähriger seine Ehefrau tötet, zerstückelt in drei Koffern verstaut und ihren Kopf einbetoniert, ist schon außergewöhnlich. Dass er dann aber noch gut fünf Stunden von Deutschland nach Österreich fährt, die Koffer im Traunsee versenkt und schließlich Selbstmord begeht, indem er mit einer festgebundenen Tasche voller Steine ins Wasser geht, haben selbst gestandene oberösterreichische Kriminalisten noch nicht erlebt.

Ihr Chef ist als Leiter des Landeskriminalamts Gottfried Mitterlehner, der dieser Tage auch zum Gesicht der 220 Zivilermittler im Land ob der Enns geworden ist. Aufmerksamkeit erregen aber auch seine Familienverhältnisse – ist er doch der Bruder von Reinhold Mitterlehner, dem Vizekanzler. Dass es da Gerüchte über Interventionen gab, als Gottfried im Jahr 2012 oberster Landeskriminalist wurde, verwundert nicht. Mittlerweile regt ihn das nicht mehr sonderlich auf: "Ich war schon federführend in der Polizei tätig, bevor mein Bruder in die Bundespolitik gegangen ist."

Väterliches Vorbild

Seine Beamtenlaufbahn verdankt er vielmehr dem Vorbild des Vaters. Der war nämlich Postenkommandant der Gendarmerie im heimatlichen Helfenberg im Mühlviertel. Das inspirierte ihn, er verzichtete auf ein Studium und trat der Gendarmerie bei. Seine Karriere begann er im Jahr 1987 im Grenzposten Kollerschlag, sie führte ihn über Traun und Salzburg zur Leitung der polizeilichen Personalabteilung in Linz.

Von Kennern der oberösterreichischen Polizeiszene wird er als kompetenter und eher ruhiger, umgänglicher Mensch beschrieben.

Ob er, wie viele Gendarmen, das Verschwinden der Einheit unter Innenminister Ernst Strasser bedauert? "Ich war sehr gerne Gendarm", gibt er zu. "Und das Zusammenwachsen von Gendarmerie und Polizei ist noch immer nicht beendet."

Nicht nur im Büro, auch in seiner Freizeit ist der 47-Jährige ausgelastet, sagt er. Der Grund sind seine drei Söhne und ein Labrador. Mit Letzterem geht er regelmäßig spazieren. "So bin ich viel in der Natur. Ich mag das Mühlviertel, es ist ein guter Ausgleich", schildert er, der mit seiner Familie mittlerweile im Haus seiner Kindheit wohnt. Findet er noch extra Zeit, sportelt er oder liest – Fachliteratur ebenso wie Belletristik. (Michael Möseneder. 6.1.2016)

  • Meistens steht der Bruder von Gottfried Mitterlehner, Vizekanzler Reinhold, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.
    foto: apa

    Meistens steht der Bruder von Gottfried Mitterlehner, Vizekanzler Reinhold, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

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