Riss im Verhältnis zwischen China und Nordkorea

6. Jänner 2016, 19:46
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Wichtigster Partner Pjöngjangs reagiert auf unangekündigten Atomtest "mit entschiedener Ablehnung"

Nordkoreas Test einer angeblichen Wasserstoffbombe erschütterte die Region im wahrsten Wortsinn. Der Nachbar China bekam die rund 100 Kilometer von der Grenzprovinz Jilin entfernte unterirdische Explosion als Beben zu spüren. In den Kreisen Yanqi, Huichun und Changbai fühlten es die Einwohner. Auf dem Sportplatz der Oberstufenschule Nummer 3 in Yanqi trat ein meterlanger Erdriss auf. Alle Schüler wurden evakuiert, die Strahlenmesseinheiten alarmiert.

China wurde als einzige Unterstützungsmacht, als Wirtschaftspartner und Energieversorger des weltweit isolierten Nordkorea durch den Test aber auch politisch brüskiert. "Wir wurden vorab nicht darüber informiert", sagte die Sprecherin des Pekinger Außenministeriums. Am 10. Dezember hatte Nordkoreas Jungdiktator Kim Jong-un erstmals öffentlich behauptet, die neue Bombe zu besitzen. Nach kurzer internationaler Aufregung wiegelten China und die übrige Welt seine Worte als Säbelrasseln ab.

Das war ein Fehler, meint der chinesische Nordkorea-Experte Zhang Liangui. Der renommierte Politologe beobachtet seit Jahren, wie sich Pjöngjang zur Atommacht aufbaut. "Nordkorea wird unmöglich im Dialog überredet werden können, seine Atomwaffen aufzugeben", glaubt der Professor für internationale Politik an der Zentralen Parteihochschule und ruft dazu auf, sich von der Politik des "Appeasement" gegenüber Pjöngjang zu verabschieden.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua verurteilte am Mittwoch Pjöngjang zwar scharf, rief aber alle Parteien dazu auf, "mit Zurückhaltung zu reagieren". Das Außenministerium reagierte mit "entschiedener Ablehnung" und forderte Nordkorea "in schärfster Weise" auf, alles zu unterlassen, was die Lage verschlimmert.

Der UN-Sicherheitsrat erwägt "weitere bedeutende Maßnahmen" gegen Nordkorea. Ob auch Sanktionen in Betracht kämen, sagte Elbio Rosselli, Vorsitzender des mächtigsten UN-Gremiums, nach einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch nicht.

Handschriftliche Weisung

Am Morgen hatte die dramatische Entwicklung, die zur Einberufung von Krisensitzungen in den Nachbarstaaten und im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen führte, mit einem unerklärten, mittelstarken Erdbeben begonnen. Um 11.30 Uhr gab eine nordkoreanische TV-Nachrichtensprecherin dann den Test einer Wasserstoffbombe bekannt. Der Befehl sei bereits am 15. Dezember von Machthaber Kim erteilt und dann vergangenen Sonntag als handschriftliche Weisung bestätigt worden. Das Fernsehen zeigte das Schreiben Kims: "Die Wasserstoffbombe ist eine noch höhere Stufe der koreanischen Atomwaffenentwicklung. Der Test ist die Selbstverteidigungsmaßnahme eines souveränen Staates für seine Sicherheit. Er dient dazu, eine Invasion der USA abzuwehren."

Die Sondersendung endete mit Bildern einer gleißenden Sonne. Soldaten marschierten, Heldengesänge wurden angestimmt, und Führer Kim setzte sich in Szene. Chinas Fernsehsender übertrugen die vorab in Pjöngjang als "wichtige Nachricht" angekündigte TV-Ansprache ebenfalls live. Es gab aber auch in Pjöngjang selbst keinerlei andere Vorwarnungen, sagte der Pekinger Nordkorea-Korrespondent Zhao Miao.

Peking bestritt 2014 mit einem Handelsvolumen von 6,4 Milliarden US-Dollar mehr als 80 Prozent des nordkoreanischen Handels. In jüngster Zeit schien sich das gespannte Verhältnis zwischen Chinas Parteichef Xi Jinping und dem jungen Machthaber Kim zu entkrampfen. Zum nordkoreanischen Parteijubiläum im Oktober 2015 richtete Xi überraschend ein Gratulationsschreiben an Kim. Und er schickte seinen Propagandachef Liu Yunshan, der Mitglied der Inneren Führung Chinas ist, zu Kims großer Armeeparade. Beide Führer haben sich seit ihren Amtsantritten 2012 jedoch noch nie persönlich getroffen. (Johnny Erling aus Peking, 7.1.2016)

  • Im Oktober demonstrierten Chinas Propagandachef Liu Yunshan (links) und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un in Pjöngjang noch Einigkeit.
    foto: ap / wong maye-e

    Im Oktober demonstrierten Chinas Propagandachef Liu Yunshan (links) und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un in Pjöngjang noch Einigkeit.

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