Nordkoreas Atombombentest: Muskelspiel zur Unzeit

Kommentar6. Jänner 2016, 17:43
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Das Regime gefährdet seine Beziehungen zu China

Es ist gerade erst eine Woche her, dass die Neujahrsansprache von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un die internationalen Kommentatoren Dialogbereitschaft erkennen ließ. Anders als in den Jahren davor verzichtete Kim diesmal auf Drohgebärden mit Atomwaffen und Langstreckenraketen. Und er zeigte sich offen für Gespräche mit denjenigen, die wirklich an "Aussöhnung und Frieden" auf der koreanischen Halbinsel interessiert seien.

Der angeblich erfolgte Test einer Wasserstoffbombe – es gibt Zweifel, welche Bombe wirklich getestet wurde – passt da wieder besser zur nordkoreanischen Provokationsstrategie. Südkoreas Geheimdienst berichtete bereits seit längerem von Hinweisen auf einen bevorstehenden Test. Über die Motive lässt sich spekulieren, möglicherweise will Kim Jong-un seine Machtbasis gegenüber dem Militär festigen.

Das Muskelspiel geschieht allerdings zur Unzeit. Denn gerade erst hat eine Tauwetterphase zwischen Nordkorea und dem einzigen Verbündeten China begonnen. Peking gefiel sich international in der Rolle des Dompteurs der nordkoreanischen Führung. Dass Kim Chinas Warnungen vor einem erneuten Atomversuch in dieser Phase so einfach ignoriert, ist für Peking ein Schlag ins Gesicht. Nordkorea hat keine Angst vor Sanktionen der internationalen Gemeinschaft. Aber die sich langsam verbessernden Beziehungen zu China wieder aufs Spiel zu setzen könnte sich für Pjöngjang als massiver Fehler erweisen. (Manuela Honsig-Erlenburg, 6.1.2016)

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