VW antwortet mit E-Autos auf Abgasskandal

6. Jänner 2016, 22:29
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Bei Technikmesse CES wurden Modelle BUDD-e und e-Golf Touch vorgestellt

Las Vegas/Wolfsburg – VW will mit einem Elektromobil an das Erbe des legendären Bullis anknüpfen und aus dem Schatten des Abgasskandals treten. Volkswagen-Markenchef Herbert Diess stellte auf der Technikmesse CES in Las Vegas das Modell BUDD-e vor, dessen Design als eine stark modernisierte Version beliebter alter Wagen wie des T1 aus den 50er-Jahren daherkommen soll.

"Volkswagen steht für erschwingliche Elektromobilität", sagte Diess. Neben dem BUDD-e führte VW auch den e-Golf Touch vor, der einen Elektroantrieb hat und im Cockpit auch per Gestensteuerung bedient werden kann. Preise wurden nicht genannt.

Blick in den Kühlschrank

Mit BUDD-e will Volkswagen auch seine Vision der automobilen Zukunft präsentieren. Der Prototyp sei fest im Internet der Dinge verankert, betonte Diess. So könne man aus dem Cockpit in den Kühlschrank schauen oder sehen, wer zu Hause an der Tür klingelt. Auf Sprachbefehl könne der BUDD-e zum Beispiel die Beifahrertür aufmachen. Post-Pakete könnten von dem Boten in einem speziellen Fach unter dem Kofferraum abgelegt werden. Die Akkus sollen 375 Kilometer halten. Ein solches Auto könnte zum Ende des Jahrzehnts auf die Straße kommen, sagte Diess. Der e-Golf Touch hingegen solle binnen eines Jahres auf dem Markt sein.

Mit dem "Microbus" hatte VW bereits 2001 eine modernisierte Transporter-Neuauflage vorgestellt, die sich damals optisch noch stärker am Original orientierte. Das Konzept wurde gut aufgenommen, das Auto ging jedoch nie in Serie.

Umweltbehörde reichen VW-Vorschläge nicht

Die US-Umweltbehörde EPA ist mit den Ansätzen des Volkswagen-Konzerns zur geplanten Umrüstung der vom Abgasskandal betroffenen Diesel-Fahrzeuge weiterhin nicht zufrieden. Rückruf-Diskussionen mit dem Unternehmen hätten "keinen akzeptablen Weg nach vorne ergeben", erklärte die Behörde am Mittwoch.

"Die EPA besteht weiterhin darauf, dass VW effektive, angemessene Lösungen so rasch wie möglich entwickelt."

Zuvor hatte sich der Chef der Marke Volkswagen, Herbert Diess, auf der Technologiemesse CES in Las Vegas zuversichtlich geäußert, bald eine akzeptable Lösung zu finden. Der Autobauer arbeite hart an einem überzeugenden Lösungspaket und führe mit den US-Behörden einen sehr konstruktiven Dialog. "Ich bin optimistisch, dass wir ihre Zustimmung in den kommenden Wochen und Monaten bekommen werden", sagte Diess.

Der Wolfsburger Konzern muss der kalifornischen Umweltbehörde Carb bis 14. Jänner eine Lösung präsentieren, wie die betroffenen Fahrzeuge wieder in Einklang mit den Vorschriften zur Luftreinhaltung gebracht werden.

Zweifel

CES-Chef Gary Shapiro hatte angesichts des Abgasskandals auch Zweifel, ob VW überhaupt die Präsentation zum Auftakt der Show abhalten sollte. Der Autokonzern habe ihn jedoch überzeugt. Vor einem Jahr zeigte Daimler an dieser Stelle seinen futuristischen selbstfahrenden Prototypen F015.

Parkplatzsuche

Bosch-Chef Volkmar Denner stellte auf der CES indes das Konzept einer vernetzten Parkplatzsuche vor, bei dem Autos Lücken am Straßenrand erkennen und in eine Datenbank eintragen – die wiederum von anderen Fahrern auf der Suche nach einem Abstellplatz für ihr Fahrzeug genutzt werden kann.

"30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs entstehen nur dadurch, dass Autofahrer keinen freien Parkplatz finden", sagte Denner am Dienstag. Dies könne mithilfe von Sensoren, die in Autos oder auf Parkplätzen installiert sind, vermieden werden.

Information in Echtzeit

Beim "community-based Parking" von Bosch erkenne und vermesse das Auto im Vorbeifahren freie Stellplätze zwischen parkenden Fahrzeugen am Straßenrand. Diese Information werde in Echtzeit-Karten eingetragen, die per Smartphone oder im Navigationssystem abrufbar seien. "Autofahrer, die in Wohngebieten oder Innenstädten nach einer Abstellmöglichkeit für ihr Fahrzeug suchen, können sich dann ohne Umwege zum Parkplatz lotsen lassen. Das spart Zeit, Geld, Nerven – und schont überdies die Umwelt."

Auf der CES präsentierte Bosch außerdem einen Unfallerkennungsstecker. Der 2012 eingeführte automatische Notruf-eCall sei bisher ausschließlich für Neufahrzeuge ab Werk verfügbar gewesen, der Retrofit-eCall-Stecker könne nun auch nachgerüstet werden. Erkennt der im Zigarettenanzünder eingebaute Sensorstecker einen Unfall, sendet er die relevanten Informationen an die angeschlossene Leitstelle. Von dort kann bei Bedarf der nächstgelegene Rettungsdienst alarmiert werden. (APA, 6.1.2016)

  • Vorbild für den BUDD-e waren Autos aus den 50er Jahren, erklärte VW-Markenchef Herbert Diess
    foto: reuters

    Vorbild für den BUDD-e waren Autos aus den 50er Jahren, erklärte VW-Markenchef Herbert Diess

  • Auch der e-Golf Touch wurde in Las Vegas gezeigt
    foto: apa/afp/getty images/david becke

    Auch der e-Golf Touch wurde in Las Vegas gezeigt

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