China schränkt Geschäfte ausländischer Banken ein

6. Jänner 2016, 13:06
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Maßnahme gegen Kapitalabfluss – Landeswährung fällt auf Rekordtief

Frankfurt – China nimmt im Kampf gegen den Kapitalabfluss Finanzkreisen zufolge auch die britische Großbank Standard Chartered ins Visier. Die chinesische Zentralbank (PBOC) habe dem Institut – genauso wie der Deutschen Bank – bestimmte Devisengeschäfte untersagt, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch.

Standard Chartered habe die PBOC jedoch gebeten, die bis Ende März geltende Sperre zu verkürzen, sagte einer der Insider. Die Briten wollten sich dazu nicht äußern, von der PBOC war keine Stellungnahme zu erhalten.

Bestimmte Währungsgeschäfte verboten

In Medienberichten hieß es zuletzt, dass die PBOC der Deutschen Bank und mindestens zwei weiteren ausländischen Geldhäusern bestimmte Währungsgeschäfte verboten hat. Dabei geht es einem Insider zufolge unter anderem um großvolumige Yuan-Handelsgeschäfte zwischen Schanghai und Hongkong. Der sogenannte Offshore-Yuan in Hongkong und anderen ausländischen Handelsplätzen fiel am Mittwoch auf 6,72 Yuan je Dollar – der niedrigste Stand seit Beginn des Handels 2010. Der in Schanghai gehandelte Onshore-Yuan war mit 6,55 Yuan je Dollar rund 2,5 Prozent mehr wert.

Banken könnten das ausnutzen, indem sie Yuan in Schanghai verkaufen und in Hongkong kaufen. China will solche Arbitragegeschäfte und einen weiteren Kapitalabfluss aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, die derzeit so langsam wächst wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, jedoch mit allen Mitteln verhindern.

Yuan fällt auf Rekordtief

Aus Furcht vor einer Abkühlung der Konjunktur haben am Mittwoch indes weitere Anleger Geld aus China abgezogen. Dies drückte den Yuan an den ausländischen Börsen auf den tiefsten Stand seit Einführung des Handels 2010. Ein Dollar verteuerte sich um bis zu 1,3 Prozent auf 6,7310 Yuan. An den Handelsplätzen in Festland-China kostete die US-Währung zeitweise 6,5602 Yuan. Das ist der höchste Stand seit knapp fünf Jahren. Der Unterschied (Spread) dieser beiden Kurse war zeitweise so hoch wie noch nie.

Der große Ausverkauf drohe aber noch, warnte Gian Marco Salcioli, Devisenexperte der italienischen Bank Intesa Sanpaolo. Bislang hätten sich die in China engagierten Unternehmen mit Yuan-Verkäufen zurückgehalten. "Aber wenn der Wechselkurs fällt, sind die Investitionen in Gefahr." Bei einer Abwertung drohen Verluste im China-Geschäft und Abschreibungen in den Firmenbilanzen.

Nicht frei handelbar

Der Yuan ist nicht frei handelbar, sondern darf an den chinesischen Börsen einen von der Notenbank täglich festgesetzten Kurs nur um zwei Prozent über- oder unterschreiten. Dabei orientiert sie sich seit den Kursturbulenzen vom vergangenen Sommer auch am Schlusskurs des Vortages. Davor waren die Entscheidungskriterien der Öffentlichkeit unbekannt. Der Handel des sogenannten Offshore-Yuan in Hongkong, Singapur oder Frankfurt ist weniger stark reguliert.

Die Analysten der HSBC zufolge hat die chinesische Notenbank den Yuan am Mittwoch überraschend stark abgewertet. "Es braucht aber noch Zeit, um zu beurteilen, ob sich die Devisenpolitik geändert hat." 2015 hatte der Dollar zum Yuan an den chinesischen Börsen, dem sogenannten Onshore-Handel, um 4,5 Prozent zugelegt – so viel wie noch nie. Seit Wochenbeginn ist ein weiteres Prozent hinzugekommen.

Devisenhandel langfristig liberalisieren

China will den Devisenhandel langfristig liberalisieren, um dem Yuan im Welt-Finanzsystem größeres Gewicht zu verleihen. Einen ersten Erfolg feierte das Reich der Mitte Ende 2015, als der Internationale Währungsfonds (IWF) den Yuan in den Kreis der Weltreservewährungen aufnahm.

Experten gehen davon aus, dass die People's Bank of China (PBoC) eine weitere Abwertung ihrer Währung tolerieren wird. Dies macht Waren chinesischer Unternehmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger und kurbelt die schwächelnde Konjunktur an. Gleichzeitig verteuert es die Rückzahlung von Fremdwährungskrediten. (APA, 6.1.2016)

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    foto: apa/epa/jerome favre
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