Prozess gegen islamischen Prediger Gülen beginnt

5. Jänner 2016, 14:55
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Dem einstigen Erdogan-Vertrauten werden Putschpläne vorgeworfen

Istanbul – In Istanbul beginnt am Mittwoch der Prozess gegen den islamischen Prediger Fethullah Gülen, einen früheren Vertrauten und jetzigen Erzfeind von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Der in den USA lebende Gülen soll sich in Abwesenheit wegen Umsturzversuchen und Bildung einer Terrorgruppe verantworten.

Mit Gülen sind 70 weitere Verdächtige angeklagt, vor allem ehemalige Polizisten. Gülens Verteidigung hält die Vorwürfe für konstruiert und für einen Beleg der autokratischen Machtansprüche der Staatsführung.

Vorwurf: Anweisungen zum Sturz der Regierung

Der 74-jährige Gülen war einst ein enger Verbündeter Erdoğans. Die beiden überwarfen sich jedoch vor dem Hintergrund des wachsenden Einflusses des Predigers. Die Regierung warf schließlich Gülens Bewegung vor, hinter den Korruptionsvorwürfen gegen Erdoğans engstes Umfeld zu stecken, die Ende 2013 aufkamen. Die Regierung betrachtet die Bewegung des Geistlichen als eine Art Parallelstaat.

Konkret vorgeworfen wird Gülen, Verbündeten in den Reihen der Polizei Anweisungen zum Sturz der Regierung gegeben zu haben. Gülens Anwalt Nurullah Albayrak erklärte, es gebe keine Beweise für eine derartige Terrorgruppe. Alle Punkte in der fast 1.500 Seiten umfassenden Anklageschrift würden auf Vermutungen beruhen. "Der einzige Beweis, den sie haben, ist ein Telefonat meines Mandanten mit einem Polizisten", sagte Albayrak. "Darin gibt es keinen Hinweis auf irgendwelche Anweisungen."

Die Staatsanwaltschaft dürfte für Gülen und zwei frühere Polizeichefs lebenslange Haft fordern. Den weiteren Angeklagten drohen ebenfalls Gefängnisstrafen, einigen wird Mitgliedschaft in einer bewaffneten Gruppe vorgeworfen.

USA lehnten Gülen-Auslieferung ab

Gülen lebt seit 1999 im US-Bundesstaat Pennsylvania, hat von dort aus aber weiter enormen Einfluss in der Türkei. Er leitet ein großes Netz an Schulen, Unternehmen und Hilfsorganisationen und pflegt Kontakte zu Polizei, Justiz und Medien. Die Türkei forderte von den USA vergeblich die Auslieferung des Predigers. Die Behörden waren in der jüngsten Vergangenheit auch gegen Firmen und Anhänger Gülens in der Türkei vorgegangen. (APA, 5.1.2016)

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