USA: 110 Kinder sterben jährlich durch Waffenunfälle

7. Jänner 2016, 09:09
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Tödliche Schießereien sind in den USA keine Seltenheit. Selbst Kleinkinder haben regelmäßig den Finger am Abzug

Waffendramen in den USA sorgen zyklisch für Schlagzeilen. "Dreijähriger erschießt sich versehentlich", titelten Zeitungen im Sommer." Sechsjähriger erschießt dreijährigen Bruder", hieß es im Herbst. Im Jahr davor las man "Zweijähriger erschießt seine Mutter im Supermarkt".

Während US-Präsident Barack Obama versucht, ein strengeres Waffengesetz durchzubekommen, zeigen Studien, dass die Zeit drängt. Denn jährlich sterben mehr als hundert Kinder in den USA durch Schusswaffen und damit nicht zuletzt an den Folgen des liberalen Waffenrechts.

300 Millionen Waffen

Die Waffenlobby NRA hat die USA zu einer Hochburg für Waffenfreunde gemacht. In Texas wurde kürzlich – mit Zustimmung vieler Einwohner und Einwohnerinnen – wieder erlaubt, Waffen offen zu tragen. Das Recht auf Waffenbesitz ist in der US-Verfassung verbrieft, Schätzungen zufolge befinden sich mehr als 300 Millionen Schusswaffen in Privathaushalten, und das bei rund 321 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen.

Doch nicht nur die Zahl der Personen, die Waffen besitzen, ist in den USA vergleichsweise extrem hoch, auch die Zahl der tödlichen Unfälle von Kindern durch Schusswaffen ist zehnmal höher als in anderen Industrieländern. Besonders verheerend sind die Folgen, wenn Kinder im Spiel auf Waffen stoßen. Der Wirtschaftswissenschafter David Hemenway von der Harvard School of Public Health und Sara Solnick von der Universität Vermont haben untersucht, wie häufig Kinder zwischen null und 14 Jahren in den USA ungewollt den Tod durch Schusswaffen fanden. Die Zahl lässt aufhorchen: Ihrer Studie zufolge, die im Sommer 2015 veröffentlicht wurde, sterben dadurch jährlich 110 Kinder.

Tödliches Spiel

Traurige Geschichte hinter den Zahlen gibt es viele. So erschütterte im Oktober der Fall von zwei Brüdern aus Chicago die Welt. Ein Sechsjähriger hatte beim Räuber-und-Gendarm-Spielen seinen dreijährigen Bruder getötet. Die Waffe war geladen auf dem Kühlschrank gelegen, der Vater wurde verhaftet.

Immer wieder laufen die Unfälle nach einem ähnlichen Muster ab: Ein Kind findet die entsicherte Waffe der Eltern und beginnt damit zu spielen, unbeabsichtigt löst es Schüsse aus, dabei töte es sich selbst oder jemanden im näheren Umfeld. Tragödien, denen durch eine sicherere Verstauung von Schusswaffen vorgebeugt werden könnte.

Vorwiegend Buben betroffen

Laut Hemenway und Solnick wird in den USA jede Woche ein Waffenunfall von Kleinkindern verursacht. Buben sind überproportional häufig beteiligt: Nur bei jedem dritten Unglück gelangt die Waffe in die Hand eines Mädchens. In mehr als 90 Prozent der Fälle sind Familienmitglieder oder enge Freunde und Freundinnen die Opfer. (Sophie-Kristin Hausberger, 7.1.2015)

  • Wenn aus Spaß plötzlich ernst wird: Regelmäßig kommt es in den USA beim Spielen zu tödlichen Schussverletzungen.
    foto: reuters

    Wenn aus Spaß plötzlich ernst wird: Regelmäßig kommt es in den USA beim Spielen zu tödlichen Schussverletzungen.

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