Wie James Bond und George Smiley den Zeitgeist widerspiegeln

5. Jänner 2016, 12:34
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Britischer Medienwissenschafter Alan Burton untersuchte das Spionage-Genre in Literatur und Film

Klagenfurt/Leicester – Ob Ian Flemings James Bond oder John Le Carres George Smiley: Britische Roman- und Filmspione folgen – ebenso wie die Bedrohungen, vor denen sie Königin und Vaterland schützen – einerseits der politischen Großwetterlage und andererseits neuen technologischen Entwicklungen.

An britischer Spionageliteratur werde im weltweiten Vergleich nicht nur am meisten produziert, sie habe sich auch "als geeignetes Mittel erwiesen, um Modellbeispiele nationalen Heldentums oder Kommentare zu Themen wie Korruption und Verrat einer großen Leserschaft näherzubringen", sagt Alan Burton von der Universität Klagenfurt und der University of Leicester. Der britische Medienwissenschafter widmete sich dem Thema im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts.

Das Rad der Geschichte dreht sich

In einer 2013 erschienenen ersten Buchveröffentlichung mit dem Titel "Historical Dictionary of British Spy Fiction" hat sich der Wissenschafter mit Forschungsschwerpunkt britische Filmgeschichte mit einschlägiger Literatur auseinandergesetzt und dabei auch einen inhaltlichen Wandel herausgearbeitet: Vor dem ersten Weltkrieg wurden Spione als Gentlemen der Upper-Class dargestellt, "die als amateurhafte Abenteurer nicht nur dem damaligen Hauptgegner Deutschland die Stirn bieten, sondern nebenbei auch das Empire retten", so Burton.

Im Kalten Krieg boomte das Genre und vor allem Le Carre setzte sich in seinen Romanen "realistischer und zynischer mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen zu Loyalität und Patriotismus auseinander", so der Befund. Momentan hätten wiederum ähnliche Invasionsängste wie im späten Viktorianismus Hochkonjunktur – allerdings vor dem Hintergrund neuer Bedrohungsszenarien, wie dem Diebstahl von und Misswirtschaft mit sensiblen Daten oder dem Terrorismus.

Neues Sachbuch

In der nun folgenden Veröffentlichung setzt sich Burton mit dem Spionagedrama in Film und Fernsehen bis in die Gegenwart auseinander. Am Beginn der Thatcher-Ära spiegelte sich demnach "der Rechtsruck in der britischen Politik" auch im Fernsehen wider, indem "die Tradition des Gentleman-Helden", der "gegen das nostalgisch simplifizierte Böse" antritt, wiederbelebt wurde.

Zeitgleich ortet Burton aber auch einen anderen Trend in Richtung "Produktionen, die Spionageskandale und politische Verstrickungen thematisieren und Probleme des Umgangs mit geheimen Daten und Sicherheitsfragen behandeln". Burtons Buch "Historical Dictionary of British Spy Fiction" erscheint am 23. Februar bei Rowman & Littlefield Publishers. (APA, red, 5. 1. 2016)

  • Szene aus dem jüngsten Bond-Film "Spectre".
    foto: ap/jonathan olley/metro-goldwyn-mayer pictures/columbia pictures/eon productions

    Szene aus dem jüngsten Bond-Film "Spectre".

  • Alan Burton: "Historical Dictionary of British Spy Fiction", 528 Seiten, Rowman & Littlefield Publishers 2016.
    foto: rowman & littlefield publishers

    Alan Burton: "Historical Dictionary of British Spy Fiction", 528 Seiten, Rowman & Littlefield Publishers 2016.

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