Österreich bei Stammzellenspenden im Hintertreffen

5. Jänner 2016, 08:18
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Im internationalen Vergleich ist die Zahl der Spender mit 66.000 in Österreich eher gering

Wien – Österreich ist bei den für eine Stammzellenspende registrierten Freiwilligen im internationalen Vergleich im Hintertreffen. Laut Agathe Rosenmayr, Leiterin der Spenderdatei der Medizinischen Universität Wien, sind hierzulande 66.000 Personen registriert. In Deutschland sind es 6,4 Millionen. Wenn also der Faktor 1:10 angewendet würde, müsste es in Österreich rund 640.000 Spender geben.

Knochenmarkstransplantation selten

"100.000 Spender sollte ein Land wie Österreich in den weltweiten Pool schon einbringen", sagt Rosenmayr über ihre Ziele. Weltweit waren mit Ende des Vorjahres 27,6 Millionen registriert. Dass de facto nur mehr über Stammzellspenden für Leukämiekranke gesprochen wird und nicht mehr über Knochenmarkstransplantationen, liegt daran, dass diese aufwendigere Form der Spende nur mehr selten, in etwa zehn bis 15 Prozent der Fälle, angewendet werden.

Das hat vor allem für Spender etwas Gutes: Stationäre Spitalsaufenthalte sind nicht mehr notwendig, dem Organismus erspart man die belastende Vollnarkose und die postoperativen Schmerzen. "Stammzellenspenden sind wie eine besonders lange Blutspende, nur erhält man das Blut am Ende zurück", erläutert die Medizinerin.

700 Erkrankungen pro Jahr

Pro Jahr erkranken in Österreich etwa 700 Personen an Leukämie. Etwa die Hälfte dieser Personen sind vom Alter und dem Stadium der Krankheit her in der Lage, eine Stammzellenspende mit Erfolgsaussichten zu erhalten. Im Jahr 2014 erhielten laut dem von der Gesundheit Österreich herausgegebenen Transplantbericht des Jahres 215 Leukämie-Patienten in Österreich eine Stammzelltransplantation: 66 vom Familienspender, 149 von nicht verwandten Freiwilligen. Normalerweise wird zunächst in der Familie untersucht, ob ein Patient unter seinen Angehörigen einen Spender hat. Aber nur 25 Prozent können im Familienverbund Hilfe erhalten.

Für die anderen müssen sich die Mediziner in der weltweiten Datenbank umsehen, in der die Spender mit ihrer DNA registriert sind. Im Schnitt beträgt die Wahrscheinlichkeit 1:500.000, dass zwei Nichtverwandte für eine Stammzellenspende miteinander kompatibel sind. In der Praxis ist das dann noch schwieriger: In den USA etwa gibt es keine Meldepflicht. Wenn ein registrierter Freiwilliger etwa umzieht oder seine Telefonnummer ändert und das nicht an das Register meldet, ist er kaum mehr zu finden.

Spender gesucht

Gesucht werden Spender zwischen 18 und 45, die nicht unter- und nicht übergewichtig sind. Für Frauen sind dies mindestens 55 Kilogramm und maximal 100, bei Männern 60 bis 110 Kilogramm. In der Datenbank bleibt man bis zu einem Alter von 55 Jahren. "Junge Spender sind wesentlich besser", sagte Rosenmayr.

Außerdem müssen sich Spender dessen bewusst sein, dass sie für jeden Bedürftigen auf der ganzen Welt herangezogen werden können. Immer wieder komme es vor, dass an sich an der Registrierung Interessierte Einschränkungen, etwa in Bezug auf Religionszugehörigkeit oder Staatsbürgerschaft machen wollen, schilderten Rosenmayr und ihr Team. Dafür ist in einer weltweiten Datenbank kein Platz.

Nebenwirkungen möglich

Wer sich registrieren lässt, wird zu einem Einführungsgespräch mit Blutabnahme eingeladen. Die Blutabnahme dient der Gewebetypisierung des Spenders, einer DNA-Bestimmung, mit der man in die Datenbank kommt. Gibt es einen Treffer, wird der Spender ein weiteres Mal gefragt, ob er nach wie vor zur Verfügung steht. Bei positiver Antwort wird genau getestet, ob er die gesundheitlichen Voraussetzungen – keine Infektionen, Hepatitis, HIV, Syphilis etc. – und alle notwendigen Übereinstimmungskriterien mit dem Empfänger erfüllt.

Wenn diese Hürde genommen ist, bekommt der Spender vier Tage vor der Stammzellenabgabe subkutane Injektionen mit Wachstumshormonen. Das ist mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden, die aber nicht gefährlich sind. Die erste Spritze wird dabei unter ärztlicher Aufsicht verabreicht, um eine allergische Reaktion auszuschließen. Die typische Nebenwirkung ist vergleichbar mit einem grippalen Infekt: ein Gefühl von Schlappheit und Abgeschlagenheit, Glieder- und eventuell auch Kreuzschmerzen.

Spendertypisierung kostet

Die Spende selbst erfolgt in vier bis sechs Stunden, bei der man Venenzugänge in beide Arme bekommt und liegt. Aus einem Arm wird venöses Blut entnommen und in eine Zentrifuge geleitet, welche die Stammzellen vom Blut trennt. Anschließend wird das Blut in den Körper zurückgeleitet. Der Spender braucht nicht nüchtern zu kommen, gut frühstücken ist die Devise. Allerdings sollte in den letzten Tagen vor der Stammzellentnahme nichts Fettes mehr gegessen werden, wie Spenderin Daniela Fuß anmerkte.

Rosenmayr berichtete von einem wesentlichen Etappenerfolg im heurigen Jahr auf dem Weg zu den 100.000 Spendern. "Heuer konnten wir fast 2.000 neue Spender registrieren, dank der Lions-Clubs der Zone Österreich-Ost, die fast die Hälfte dieser Spender-Typisierungen gesponsert haben." Gerade zu Weihnachten hätten sich wieder etwa 100 Spender für ein junges Mädchen mit Leukämie gemeldet. Allerdings: Eine Spendertypisierung kostet 50 Euro, für die 100 Freiwilligen ist die Finanzierung völlig offen. Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht. (APA, 5.1.2016)

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