Flugzeugessen vorbestellen

7. Jänner 2016, 15:00
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Feinschmeck oder Spießer

foto: apa / hans klaus techt

Pro
von Gianluca Wallisch

Das klamme Dreieckerlsandwich – durch das Gervaisimitat einerseits völlig trockengesaugt, durch die eisig-welke Rucolabeigabe dann aber doch überraschend modrig-labberig – können sie sich gern behalten. Die paar Euro für den Klick aufs Kasterl mit dem Wunschmenü gönne ich mir.

Natürlich weiß ich, dass die Business-Bucatini-all'Amatriciana tatsächlich Economy-Penne sind, die entweder brennheiß am Gaumen oder tiefgekühlt an der Zunge picken bleiben. Oft beides gleichzeitig. Und der Guanciale heißt im wirklichen Leben Frühstücksspeck. Ja, und dann ist da noch dieses traurige Brokkoliröschen, das niemand isst! Wahrscheinlich ist es aus Silikon und immer dasselbe.

Egal, wir sind hier nicht in der Edeltrattoria. Ich folge bloß dem Ratschlag meiner Oma selig: "Schau, dass'd einen warmen Löffel im Magen hast, dann tust du dir leichter." Recht hat sie! So kann man sich den mühsamen Flug neben dem Herrn mit Sprechdurchfall links und der schnarchenden Dame hinten (oder ist das doch umgekehrt?) wenigstens ein bisschen "schön essen".

Kontra
von Andrea Schurian

Aber wirklich jetzt. Als anspruchsvoller Kulinariker fliegt man entweder Business, jausnet Kaviar und Austern zu gut gekühltem Champagner und ordert bei der Bordköchin anschließend sein Individualmenü. Oder man reist, wie meinereins, in der budgetschonenden Holzklasse – volles Speiserisiko inklusive. Welches Essen steht zur Wahl, wer und wie ist der Nebensitzer, wird der Flug turbulent, sind hoffentlich Filme im Angebot, die man im Kino verpasst hat: Überraschung ist doch die Quintessenz des Lebens, gerade auch auf der Langstrecke. Und wer einen Zweistundenflug nicht ohne extrageordertes (und -geblechtes) Cappy übersteht, sollte vielleicht sowieso das Reisen einstellen.

Freilich mag es religiöse Gründe für Vorbestellungen geben, auch für Veganer und Allergiker wird's nicht nur bein-, sondern auch esstechnisch eng im Flieger. Aber sonst? Auf den hinteren Plätzen groß auf Feinschmeck über den Wolken zu tun und im Vorhinein Extrawürschtln zu bestellen, ist irgendwie, ja, spießig – ausgenommen natürlich Kollege G. W. nebenan. Der hat echt gute Gründe.
(RONDO, 7.1.2016)

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