Nationalpark-Besetzer: Wütend, weiß, männlich und bewaffnet

Kopf des Tages5. Jänner 2016, 05:30
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Ammon Bundy tritt in die Fußstapfen seines Vaters Clive

Es gibt sie in einer stattlichen Anzahl, bevorzugt im US-amerikanischen Hinterland, sie organisieren sich, greifen zu den Waffen und treten mal mehr, mal weniger konsequent den Kampf gegen den gemeinsamen Feind an: die Bundesregierung in Washington – noch verhasster, seit ein schwarzer Demokrat das Sagen hat.

Die Familie Bundy aus Nevada gehört zu den prominenteren und konsequenteren Mitgliedern der sogenannten Angry White Men – strikt konservativ und auf Minderheiten, Feminismus oder Political Correctness so allergisch reagierend wie ein schießwütiger Teufel auf das liberale Weihwasser.

Derzeit spielen die Bundys, besonders Ammon Bundy, bei der Besetzung eines Nationalparks in Oregon durch Rancher eine wichtige Rolle. Damit wird gegen angeblichen Machtmissbrauch der Behörden protestiert.

Berühmt wurde die Familie, als sich Oberhaupt Clive Bundy einen jahrzehntelangen Rechtsstreit mit den Behörden lieferte, weil er sich weigerte, eine Gebühr dafür zu bezahlen, seine Kühe auf Land der Bundesregierung weiden zu lassen. Dieser Konflikt gipfelte im April 2014 in einer aufsehenerregenden Situation, die kurz vor dem Blutbad stand: Clive Bundy und gleichgesinnte Viehzüchter – alle bewaffnet – ließen ihre Kühe auf Bundesgebiet weiden und sich nicht von den immer mehr werdenden Beamten verscheuchen.

Viele Sympathisanten kamen zu Hilfe. Einige von ihnen, wie erst nach der sogenannten "Battle of Bunkerville" bekannt wurde, hatten mit ihren Waffen bereits Polizisten ins Visier genommen. Erst in allerletzter Sekunde kam es zur Deeskalation.

Mittendrin befanden sich Bundys Söhne Ammon und Randy, und beide sind nun die Drahtzieher jener Besetzung, die der Aktion ihres Vaters so ähnelt. Vor allem Ammon schwingt sich zum Anführer der selbsternannten Miliz auf. Auf Facebook postet der 40-jährige Cowboyhutträger Videos, in denen er über angeblich kriminelle Behörden und Gerechtigkeit schwadroniert. In den USA ist nun eine Diskussion darüber entbrannt, ob sie Patrioten oder doch eher Terroristen seien.

Die Besetzer, kündigte Ammon Bundy an, würden auch ihr Leben lassen, um zwei verurteilten Ranchern Gerechtigkeit zu verschaffen. Nur: Die beiden Rancher lehnen derlei Unterstützung ab, sie distanzieren sich sogar öffentlich davon. Man wolle mit all dem nichts zu tun haben. (Kim Son Hoang, 5.1.2016)

  • Artikelbild
    foto: ap/les zaitz/the oregonian
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