Indien und Pakistan: Der Feind ist das Misstrauen

Kommentar4. Jänner 2016, 18:09
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Vertrauen in den Friedenswillen des jeweils anderen ist die einzige Lösung

Lange hat es nicht gedauert, bis der positiven Überraschung die Negativmeldung folgte. Nur wenige Tage nachdem Indiens Premier Narendra Modi und sein pakistanischer Kollege Nawaz Sharif ohne Vorankündigung einen Annäherungsversuch unternommen hatten, folgte die Ernüchterung. Anders als die Friedensinitiative kommt der Angriff muslimischer Extremisten auf eine indische Armeebasis nicht überraschend. Im Gegenteil, das Muster ist sattsam bekannt: Hardliner beider Seiten haben Gespräche schon oft durch spektakuläre Gewaltaktionen gestoppt.

Dass das auch die Politiker längst durchschaut haben, liegt auf der Hand: Nicht umsonst hatten die Premiers die Pläne für ihr Treffen erst in letzter Sekunde bekanntgemacht – beide kennen das Potenzial für Sabotageaktionen, auch innerhalb ihrer eigenen Regierungen. Und doch konnten sie sich bisher nicht aus dem Kreislauf lösen. Zu stark ist der Druck, auf vermeintliche und echte Provokationen zu reagieren.

Und ganz unberechtigt ist auch Misstrauen nicht: Es ist unbestritten, dass Pakistans Regierung nicht alle Teile des Staates und ihrer Geheimdienste unter Kontrolle hat. Ebenso kann Indiens Premier nicht ausschließen, dass radikale Anhänger seiner Hindunationalisten-Partei BJP Angriffe auf indische Muslime starten, um so Pakistan den Willen zum Dialog zu nehmen. Und doch: Vertrauen in den Friedenswillen des jeweils anderen ist die einzige Lösung, um dem Konflikt der Atommächte die Zähne zu ziehen. (Manuel Escher, 4.1.2016)

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