Steuerreform: Tierfutter, Kino und Hotel werden teurer

6. Jänner 2016, 10:00
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Der neue, ermäßigte Steuersatz von 13 Prozent verteuert Übernachtungen in Hotels, aber auch Nahrung für Tiere

Wien – Mit der Steuerreform, die im heurigen Jahr Berechnungen zufolge knapp fünf Milliarden Euro bewegen wird, haben fast alle Freude, mit der Gegenfinanzierung schon weniger. Die Erhöhung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von zehn auf 13 Prozent, die in weiten Bereichen mit 1. Jänner 2016 in Kraft getreten ist und in gewissen Branchen wie der Hotellerie ab Mai schlagend wird, gehört zweifelsohne zu den unliebsameren Dingen.

Bereits in Kraft getreten sind die neuen Umsatzsteuersätze zum Beispiel bei Tiernahrung. Statt bisher zehn Prozent werden seit 1. Jänner 13 Prozent aufgeschlagen. Das hat bei so manchem Frauerl und manchem Herrl schon im Vorjahr für Aufregung gesorgt, zumal die marktgewichtige Tierfutterhandelskette Fressnapf bereits im Oktober die Preise für Dosenfutter um teils bis zu 30 Prozent erhöht hat. Argumentiert wurde dies zunächst mit der Mehrwertsteuerhöhung, die man vorgezogen habe. Dann wurde ein anderer Erklärungsansatz gewählt: Die Rohstoffpreise seien teils massiv gestiegen, selbst bei harter Kalkulation könne das auf Dauer nicht geschluckt werden, lautete die Argumentation in der Firmenzentrale.

Kaufkraftabflüsse befürchtet

Besonders in Gebieten nahe der deutschen Grenze fürchtet der Handel Kaufkraftabflüsse, weil in Deutschland die Mehrwertsteuer auf Tiernahrung nur sieben Prozent beträgt. Ein anderes Unternehmen – Lidl Österreich – gibt die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes laut Eigenangaben nicht weiter, die Verkaufspreise für Tiernahrung seien unverändert zum Vorjahr.

In Österreich beträgt der Normalsteuersatz 20 Prozent. Bisher gab es noch einen ermäßigten Steuersatz in Höhe von zehn Prozent – sowie einen zwölfprozentigen Steuersatz für den Ab-Hof-Verkauf von Wein. Letzterer wurde auf 13 Prozent angehoben, weil laut EU-Recht nicht mehr als zwei ermäßigte Steuersätze möglich sind.

Von zehn auf 13 Prozent erhöht wurde die Umsatzsteuer auf Eintrittskarten für Kulturbetriebe wie Theater, Kino und Museen, sofern sie nicht von gemeinnützigen Vereinigungen durchgeführt werden. Diese Leistungen unterliegen ab 1. Mai 2016 dem neuen Mehrwertsteuersatz. Tiergärten wie jener in Schönbrunn oder der Innsbrucker Alpenzoo können sich nicht darauf ausreden, sie müssen die 13 Prozent schon jetzt abführen.

In dieselbe Kategorie fallen Zirkusvorführungen, die Leistung von Schaustellern, Thermalbehandlungen und Schwimmbadbesuche sowie die Personenbeförderung mit Luftverkehrsfahrzeugen.

Auf die Lieferung, die Einfuhr und den Eigenverbrauch von Lebendtieren wie Esel, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen sowie Geflügel sind ab sofort ebenfalls drei Prozentpunkte mehr an Umsatzsteuer fällig. Dasselbe gilt für Pflanzen und Blumen, tierische und pflanzliche Düngemittel sowie Brennholz, Sammlungsstücke und Antiquitäten. Der Steuersatz für Eintrittskarten zu Sportveranstaltungen wurde von 20 auf 13 Prozent gesenkt. Damit gilt ab sofort ein einheitlicher Steuersatz für Kultur- und Sportveranstaltungen.

Massive Proteste

Die massivsten Proteste gegen die Anhebung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von zehn auf 13 Prozent gab es seitens der Hotellerie. Die Proteste zeigten insofern Wirkung, als der Umsatzsteuersatz für Beherbergungsleistungen (und Camping) erst mit 1. Mai 2016 von zehn auf 13 Prozent angehoben wird. Die Verabreichung eines ortsüblichen Frühstücks unterliegt weiter dem zehnprozentigen Steuersatz, sofern dies gemeinsam mit der Beherbergung erfolgt. Zahlt ein Gast ab 1. Mai für eine Nächtigung inklusive Frühstück einen Pauschalpreis, ist dieser in die dem 13-prozentigen Steuersatz unterliegende Nächtigung und das mit dem zehnprozentigen Steuersatz belastete Frühstück aufzuschlüsseln.

Die Branche beklagt einen Wust an Papierkram und Wettbewerbsnachteile zu Nachbarländern. Man verweist auf Deutschland, wo mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf Übernachtung von 19 auf sieben Prozent gut 70.000 neue Jobs entstanden seien. Insgesamt sei der Mehrwertsteuersatz in 22 von 28 EU-Ländern niedriger als in Österreich. In der Schweiz betrage er gar nur 3,8 Prozent. (Günther Strobl, 5.1.2016)

  • Die Einkommenssteuersätze sind im Rahmen der Steuerreform gesenkt worden, gleichzeitig wurde der ermäßigte Umsatzsteuersatz erhöht. Davon betroffen ist auch Vogelfutter. Die Blaumeise (re.) pfeift drauf.
    foto: ap/kienzle

    Die Einkommenssteuersätze sind im Rahmen der Steuerreform gesenkt worden, gleichzeitig wurde der ermäßigte Umsatzsteuersatz erhöht. Davon betroffen ist auch Vogelfutter. Die Blaumeise (re.) pfeift drauf.

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