Wiener Start-up will Fünfjährige einfache Roboter bauen und programmieren lassen

7. Jänner 2016, 09:00
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Robo Wunderkind: Ein Kinderspielzeug voller Prozessoren

Wien – Würfel mit abgerundeten Ecken und in knalligen Farben, kleiner als eine Kinderfaust und vollgepackt mit Prozessoren, Sensoren, Motoren und Verbindungstechnik – für ein kleines Wiener Start-up-Unternehmen sind sie der nächste Evolutionsschritt bei Spielzeugbausteinen. Einst steckte man Plastikteile zusammen, um Türme und Burgen zu bauen und damit taktile Fähigkeiten und räumliches Vorstellungsvermögen zu schulen. Die neuen Bausteine lassen sich dagegen zu kleinen multifunktionalen Robotern zusammenfügen, die die Kinder auch noch selbst programmieren. In einer Welt, in der Computertechnik omnipräsent ist, sollen sie das adäquate Spielzeug für Kinder ab fünf Jahren sein. Lesen müssen sie dafür nicht können.

Robo Technologies heißt das Start-up, das die Bausteine entwickelt, Robo Wunderkind ihr Produkt, das – dank Crowdfunding – 2016 in Kinderhände auf der ganzen Welt gelangen soll. Auch die bisherigen Stationen des Start-ups verteilen sich über den ganzen Globus. Rustem Akishbekov, der für sein Studium an der TU Wien von Kasachstan nach Österreich gekommen war, liebte es, in seiner Freizeit mit der freien Microcontroller-Plattform Arduino zu experimentieren, um eigene Roboter zu basteln. Er und sein Kollege Yuriy Levin, ebenfalls Student aus Kasachstan an der TU Wien, trafen 2013 bei der Wiener Start-up-Messe Pioneers auf die Ukrainerin Anna Iarotska, die in Wien und London Wirtschaft studiert und bereits jahrelange Managementerfahrung hatte.

Gemeinsam wollten sie die Idee des damals erst 19-jährigen Akishbekov, komplexe Robotertechnik zugänglicher zu machen, auf den Weg bringen. Neben der Arbeit an einem Prototyp bewarben sich die Gründer in spe bei internationalen Hardware-Acceleratoren, Institutionen, die durch intensives Coaching Start-ups unter die Arme greifen.

Expertise aus USA und China

Aus mehreren Zusagen wählten die drei einen halbjährigen Aufenthalt in Shenzen, China, und einen Monat in San Francisco in den USA. "Die Unterstützung durch die Experten hat uns sehr geholfen", blickt Iarotska zurück. Kontakte konnten geknüpft werden, die sich bei Umsetzung und Produktion als nützlich erwiesen.

2015 erfolgte schließlich die Unternehmensgründung, es hagelte Preise wie den Start-up-Award der Wirtschaftsagentur Wien und den Trend@venture-Preis des Wirtschaftsmagazins "Trend", und es wurde über das US-Crowdfunding-Portal Kickstarter Geld eingesammelt. Wenn es damals, am Beginn der Kickstarter-Kampagne, noch Zweifel am Erfolg gab, waren sie ein paar Wochen später ausgeräumt: 70.000 US-Dollar wurden angepeilt, 246.000 Dollar wurden es in fünf Wochen.

Interessierte Schulen

"Sehr viele Vorbestellungen kamen von Schulen", sagt Iarotska. "Robo Wunderkind passt zum Trend, schon jüngeren Kindern grundlegende Konzepte des Programmierens näherzubringen. Wir arbeiten auch bereits an einem Lehrplan." Die junge Zielgruppe, die angesprochen werden soll, unterscheidet Robo Wunderkind auch von der bekannten, vergleichsweise komplexen Alternative Lego Mindstorms.

Das Konzept eines Robotikbaukastens, der physisches Spiel mit Programmieren verbindet, spiegelt sich auch im Aufbau der einzelnen Module. Das Zusammenstecken muss für Kinder einfach funktionieren, und doch sicheren Daten- und Energietransfer erlauben. Spezielle Bauteile lassen die Kombinationen mit herkömmlichen Legosteinen zu. Die zentralen Module enthalten einen leistungsstarken Prozessor, vier Gigabyte Speicher, Akku- und WLAN-Einheiten sowie Mikrofon und Lautsprecher. Andere tragen Motoren in sich, Ultraschallsensoren zur Abstandsmessung, Kameras, Bluetooth-Konnektivität, Licht- oder Beschleunigungssensoren.

Das Programmieren der Roboter erfolgt für die Jüngsten über eine App am Smartphone oder Tablet. "Die App erkennt, wie und aus welchen Komponenten der Roboter zusammengebaut ist, und schlägt mögliche Funktionen vor. Das Kind braucht dann nur aus diesen Funktionen auszuwählen", erläutert Iarotska. Über entsprechende Symbole dieser einfachen visuellen Programmiersprache lassen sich per Drag and Drop Sequenzen zusammenfügen, die die Roboter dann umsetzen.

Programmiersprachen für Kinder

Am intuitiven, leicht verständlichen Aufbau der App werde noch gefeilt, so Iarotska. Spaßige Elemente und Überraschungen, die die Entdeckungsfreude anstacheln, sollen einfließen. Ältere Kinder können zudem die visuelle Programmiersprache Scratch verwenden, die ein Team des Massachusetts Institute of Technology (MIT) für Kinder ab acht Jahren entwickelt hat, noch ältere die Programmiersprache Python.

Getestet wird Robo Wunderkind unter anderem im Rahmen einer Kooperation mit einer Schule in Berkeley in Kalifornien. Für Erwachsene sei es vielleicht nichts Besonderes, wenn ein Roboterfahrzeug einem Hindernis ausweicht oder in einem bestimmten Moment Musik abspielt, für Kinder aber schon, berichtet Iarotska von den Testerfahrungen. "Wenn der Roboter anfängt, sich zu bewegen, und die Kinder bemerken, dass sie ihn beeinflussen können, haben sie viel Freude daran."

Österreich, wo das Start-up gegründet wurde, ist immerhin auch unter den Top fünf der Kickstarter-Vorbestellungen, die aus 58 Ländern kamen. "In Schulen und Kindergärten sind die Leute aber sehr vorsichtig. Wir würden uns hier mehr Offenheit gegenüber neuen Technologien wünschen", sagt Iarotska. "Das ist die Zukunft, nichts Böses." (Alois Pumhösel, 7.1.2016)

  • Mit Robo Wunderkind lassen sich Spielsteine zu einfachen Robotern zusammenstecken, die dann via App auf Tablet oder Smartphone bereits von Fünfjährigen programmiert werden sollen.
    foto: robo technologies

    Mit Robo Wunderkind lassen sich Spielsteine zu einfachen Robotern zusammenstecken, die dann via App auf Tablet oder Smartphone bereits von Fünfjährigen programmiert werden sollen.

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