Himmelfahrt: Bodo Hell und Suyang Kim

4. Jänner 2016, 17:24
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Der Autor hat Heiligenlegenden neu geschrieben, die Pianistin interpretiert dazu Musik von Galina Iwanowa Ustwolskaja

Bodo Hell ist ein Grenzgänger zwischen Berg und Tal, Stadt und Land, Natur und Kunst, Poesie und Performance, Fotografie und Film, Experiment und anarchischem Spaß – es bewegt sich der Nimmermüde mit Leichtigkeit. Überhaupt hat Hell es mit der Bewegung, steigt er doch jeden Sommer auf eine Alm im Dachsteinmassiv, um dort als Senner und Viehhirte seine temporäre Aussichts- und Denkwarte in freier Natur zu beziehen. Viele Gedanken kommen dem ersten Gewinner des Rauriser Literaturpreises (1972) während der langen Bergtouren in den Sinn.

Abseits der Almsaison lebt Bodo Hell in Wien, denn auch die Großstadt erwandert sich der rastlose Flaneur. So hat er als Fotograf seit Jahrzehnten die Schriftzüge und Zeichen der Städte dokumentiert, die oft auch dann noch wahrzunehmen sind, wenn sie ihre Funktion als Hinweis auf Geschäfte, Lokalitäten, Wegrichtungen längst verloren haben. Gern arbeitet er als Vermittler zwischen den Kunstsparten in einem intensiven wie offenen Dialog mit Kollegen aus bildender Kunst und Musik. Früher ließ sich der Maultrommler – legendär sein Auftritt beim Bachmannpreislesen 2006 – dabei gern von alpinaffinen Musikern wie Peter Angerer und Alphornbläser Fritz Moßhammer begleiten.

Martyrium und Fegefeuer

Jetzt gastiert er im Schloss Goldegg mit einem eigenen neuen Projekt: Hell hat die Legenden der Jännerheiligen (Severin, Antonius Abbas, Sebastian, Agnes) sowie die der Anfang und Mitte Februar gefeierten Heiligen Blasius und Valentin neu geschrieben, heute, 5. Jänner, trägt er sie vor. In diesen Heiligengeschichten geht es in erster Linie um Martyrium, Fegefeuer, Himmelfahrt: So lautet auch der Titel der Lese-Performance, zu der die aus Südkorea stammende Pianistin Suyang Kim die rätselhaft-spirituelle Musik der russischen Komponistin Galina Iwanowa Ustwolskaja interpretieren wird.

Ustwolskaja, die vor zehn Jahren in ihrer Heimatstadt Sankt Petersburg verstorben ist, studierte zwischen 1937 und 1947 bei Dmitri Schostakowitsch. Gemeinsam mit Sofia Gubaidulina zählt sie zu den wichtigsten Musikschaffenden Russlands im 20. Jahrhundert. Die eigene Arbeit charakterisierte Ustwolskaja so: "Meine Werke sind nicht religiös, aber definitiv spirituell, weil ich alles von mir gegeben habe. Meine Seele, mein Herz." Das Gleiche lässt sich auch von Hells vielfältigen künstlerischen Aktivitäten sagen. (dog, 5.1.2016)

Goldegg, Schloss Goldegg, 20.00

06415/82 34

  • Vermittler zwischen Kunstsparten: Bodo Hell.
    foto: marko lipus

    Vermittler zwischen Kunstsparten: Bodo Hell.

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