Spuren isländischer Vulkanausbrüche in deutschem See gefunden

4. Jänner 2016, 15:44
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Geowissenschafter konnten sedimentäre Ascheablagerungen konkreten historischen Eruptionen zuordnen

Potsdam – Ascheablagerungen isländischer Vulkanausbrüche wurden in den Sedimenten des Tiefen Sees im Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide in Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Damit lassen sich Klimaveränderungen während der letzten 11500 Jahre präziser datieren. Ein Forscherteam unter der Leitung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ konnte in den Sedimenten Spuren von insgesamt acht Vulkanausbrüche auf Island nachweisen, von denen sechs genau identifiziert werden konnten.

Der älteste Ausbruch fand demnach vor 11400 Jahren statt, der jüngste 1875. Letzterer ist auch in historischen Dokumenten beschrieben, wie die Wissenschafter in den "Quaternary Science Reviews" berichten. "Partikel von drei der im Tiefen See identifizierten vulkanischen Aschen wurden auch 500 km weiter östlich in einem See in Polen gefunden", sagt Achim Brauer vom GFZ. "Damit ergibt sich erstmals die Möglichkeit einer jahrgenauen Synchronisierung der Seeablagerungen, so dass selbst geringfügige regionale Unterschiede im Klimawandel der Vergangenheit erkannt werden können."

Dank dieser Informationen seien auch bessere Abschätzungen zukünftiger regionaler Auswirkungen des aktuellen Klimawandels möglich, so Brauer. Erschwerend für die Forschung sei allerdings, dass es sich nicht um sichtbare Lagen im Sediment, sondern um einzelne Aschepartikel in Form vulkanischer Gläser handelt. "Diese kleinen Ascheteilchen sind meist nicht größer als etwas 50 Mikrometer", sagt Sabine Wulf, ebenfalls vom GFZ. "Um diese geringen Spuren in den Seeablagerungen zu finden und aus dem Sediment zu separieren, wurde eine spezielle Kombination chemischer und mikroskopischer Methoden angewandt."

Geochemische Analysen der einzelnen Partikel und der Vergleich mit Vulkanaschen in Island erlaubten den Forschern nun in einigen Fällen eine genaue Bestimmung des jeweiligen Vulkanausbruchs. Darüber hinaus lasse sich mit dieser Methode das Verbreitungsmuster von Aschewolken bei Vulkanausbrüchen in der Vergangenheit rekonstruieren. Das wiederum ermögliche einen genaueren Einblick in Windverhältnisse der Vergangenheit, so die Geowissenschafter. (red, 4.1.2015)

  • Bohrung im Tiefen See in Mecklenburg-Vorpommern.
    foto: stefan lauterbach, gfz

    Bohrung im Tiefen See in Mecklenburg-Vorpommern.

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