Chronologie: Tiefe Gräben am Persischen Golf

4. Jänner 2016, 15:55
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1929 nahmen Saudi-Arabien und der heutige Iran diplomatische Beziehungen auf, sie wurden mehrmals ausgesetzt – so wie auch jetzt

  • 1979: Bis zur Islamischen Revolution im Iran, die das prowestliche Schah-Regime wegfegt, sind Teheran und Riad Verbündete der USA, die Allianz unter dem Banner Washingtons hält die Hegemonialkämpfe der beiden großen Golfanrainer in Grenzen. Unmittelbar nach der Revolution greift der neue starke Mann im Iran, Ayatollah Khomeini, das saudische Königshaus frontal an. Das Bündnis mit Riad bricht ebenso wie jenes mit den USA.

  • 1987: Kurz vor dem Abendgebet des 31. Juli kommt es in der für Muslime heiligen Stadt Mekka zu Zusammenstößen zwischen iranischen Pilgern und saudischen Sicherheitskräfte nahe der Großen Moschee. 275 Iraner, 85 Polizisten und 42 unbeteiligte Pilger werden dabei infolge einer Massenpanik getötet. Im Iran, der seit acht Jahren in einen Krieg mit seinem arabischen Nachbarn Irak verstrickt ist, werden die Botschaften Saudi-Arabiens und Kuwaits angegriffen; in saudischer Diplomat stirbt nach einem Fenstersturz, Riad wirft Teheran vor, nicht schnell genug Hilfe geleistet zu haben. Khomeini nennt das saudische Königshaus "eine Bande von Häretikern".

  • 1988 bricht Saudi-Arabien, das das irakische Regime Saddam Husseins während des Kriegs finanziell unterstützt, die Beziehungen zum Iran ab. Bis 1991 können Iraner aufgrund nicht ausgestellter saudischer Visa nicht mehr nach Mekka pilgern.

  • 1999: König Fahd von Saudi-Arabien ruft zur Verbesserung der Beziehungen der arabischen Golfstaaten zum Iran auf. Ein Jahr zuvor besucht mit Mohammed Khatami erstmals seit der Islamischen Revolution ein iranischer Präsident Saudi-Arabien. 2001 schließen die beiden Länder ein Sicherheitsabkommen.

  • 2003: Die US-geführte Invasion im Irak und der Sturz des sunnitisch dominierten Regimes von Saddam Hussein verschieben das Kräftegleichgewicht in der Golfregion zugunsten der Schiiten, als deren Schutzherr der Iran sich versteht.

  • 2011: Als während des Arabischen Frühlings auch im sunnitisch regierten, aber mehrheitlich von Schiiten bewohnten Kleinstaat Bahrain der Sturz des Regimes droht, eilen saudische Truppen dem bahrainischen Königshaus zu Hilfe, das den Aufstand niederschlägt. Der Iran, so Riad, habe zu Gewalt gegen die bahrainische Polizei aufgerufen. Und auch in Saudi-Arabien selbst gehen die Behörden gegen schiitische Aufständische im Osten des Landes vor, denen sie Kooperation mit Teheran vorwerfen.

  • 2015: Im syrischen Bürgerkrieg stehen sich Saudi-Arabien und der Iran in einer Art Stellvertreterkrieg gegenüber. Riad unterstützt Rebellen, die das Assad-Regime stürzen wollen, Teheran zählt zu dessen engsten Verbündeten. Im Jemen interveniert Saudi-Arabien an der Spitze einer Militärallianz, um den vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen Einhalt zu gebieten.

  • 2016: Am 1. Jänner lässt Saudi-Arabien 47 Verurteilte hinrichten, darunter Nimr al-Nimr, einen prominenten schiitischen Kleriker, dem Terror oder Anstiftung zur Gewalt vorgeworfen wurde. Der iranische Ayatollah Ali Khamenei droht Saudi-Arabien mit der "Rache Gottes". In Teheran stürmen Demonstranten in der Nacht auf Sonntag die saudische Botschaft, legen Feuer und zertrümmern Mobiliar. Wenig später bricht Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. (flon, 4.1.2015)
  • Ein saudischer Gesandter überbringt dem iranischen Präsidenten Khatami 1997 einen Brief von König Fahd.
    foto: epa/jamshid bairami

    Ein saudischer Gesandter überbringt dem iranischen Präsidenten Khatami 1997 einen Brief von König Fahd.

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    grafik: apa
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