Gericht löst Mattersburg-Vertrag von Onisiwo auf

5. Jänner 2016, 20:17
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Vertrag ungültig, ÖFB-Teamspieler wäre nach Streit mit Bundesligist ablösefrei – Ausstiegsklausel im Zentrum des Rechtsstreits

Mattersburg – Ohne Karim Onisiwo ist der SV Mattersburg in die Vorbereitung auf die Frühjahresmeisterschaft der Bundesliga gestartet. Der ÖFB-Teamspieler fehlte am Montag, er hat seinen Vertrag laut Informationen des Pay-TV-Senders Sky aufgelöst. Onisiwo, der im Sommer 2014 von Austria Salzburg zu den Burgenländern gewechselt war. könnte den Verein damit ablösefrei verlassen.

Seit Wochen hielten sich Wechselgerüchte um den 23-Jährigen. Salzburg, Rapid und die Austria wurden mit dem Wiener in Verbindung gebracht. Dazu soll es auch aus dem Ausland Interessenten geben. Die ungewisse Vertragslage sorgte aber überall für Rätselraten. So soll Mattersburg beim Ziehen einer Option bis 2017 das Gehalt des Topangreifers nicht entsprechend aufgebessert haben. Ob der Vertrag überhaupt gültig ist, war Streitthema – bis jetzt.

Verhandlungen mit mehreren Vereinen

Das Arbeits- und Sozialgericht Wien hat den Arbeitsvertrag zwischen Mattersburg und Onisiwo mit 30. Juni 2015 für ungültig erklärt. Das Urteil sei vor kurzem zugestellt worden, bestätigte Onisiwos Berater Günter Starzinger. Der Angreifer, der im November erstmals ins ÖFB-Team berufen wurde und bei der Heimniederlage gegen die Schweiz (1:2) sein Debüt gab, könnte Mattersburg damit sofort verlassen.

Der SV Mattersburg will gegen das Urteil berufen. "Es ist eine Frage der Rechtswirksamkeit. Wir werden in Berufung gehen", kündigte Sportdirektor Franz Lederer gegenüber dem ORF Burgenland an. Genauer wollte er sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Der "Vereinigung der Fußballer" (VdF) begrüßte hingegen das Urteil. Geschäftsführer Rudolf Novotny sah darin auch einen Schritt zu mehr Fairness bei Vertragsabschlüssen, wie am Dienstag in einer VdF-Aussendung betont wurde.

Streitpunkt Ausstiegsklausel

Die gängige Praxis mit Optionen in Spielverträgen sei nun infrage gestellt. "Bisher war es meist so: War der Spieler schlecht, wurde die Option vom Verein nicht gezogen. War der Spieler gut, wurde sie gezogen, aber meist nur mit einer geringen Aufbesserung des Gehalts. Bisher waren die Vereine im Vorteil, jetzt hat sich die Lage der Spieler verbessert", wurde Novotny zitiert.

Als Folge des Gerichtsurteils kann sich die VdF eine Abänderung des Kollektivvertrags für Profi-Fußballer vorstellen. "Sollten die bisherigen Optionen ihre Gültigkeit verlieren, dann müsste der Kollektivvertrag sofort adaptiert werden. Das ginge allerdings nur mit der Mitarbeit der Bundesliga, die Wert darauf legt, dass Österreichs Liga eine Ausbildungsliga ist und bleibt", hieß es in der Aussendung.

Laut Novotny entzündete sich der Streit zwischen Mattersburg und Onisiwo an einer Ausstiegsklausel. Demnach wurde vereinbart, dass der Offensivspieler den Club im Sommer 2015 für eine festgeschriebene Ablöse von 500.000 Euro verlassen kann. Als ein englischer Zweitligist bereit war, diese Summe zu zahlen, legte sich Mattersburg quer und bestritt die Gültigkeit der Klausel, woraufhin Onisiwo Klage einreichte und – schließlich erfolgreich – die Auflösung des Vertrags per 30. Juni 2015 forderte. (APA, 5.1.2016)

  • Für Karim Onisiwo stehen die Zeichen deutlich auf Abschied.
    foto: apa/scheriau

    Für Karim Onisiwo stehen die Zeichen deutlich auf Abschied.

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