Prozess um Drohung: Saddam Hussein und ein Joint

5. Jänner 2016, 08:00
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Ein 18-Jähriger, der mit einem Joint erwischt wurde, soll einen Polizisten mit dem Umbringen bedroht haben. Er streitet das vehement ab

Wien – Salman A. macht Richter Daniel Rechenmacher wenig Freude. "Ich habe Sie am 9. Dezember enthaftet und gesagt, Sie sollen sich von Drogen und dem Praterstern fernhalten. Und am nächsten Tag werden Sie dort wegen eines Joints festgenommen", sagt er drohend zu dem 18-Jährigen. "Ich weiß eh. Ich bin nur kurz hingegangen, um mich mit Freunden zu treffen", sagt der Angeklagte bedingt schuldbewusst.

Dummerweise traf er dann auch einige Streifenpolizisten, einen von diesen soll er mit dem Umbringen bedroht haben. A. leugnet das vehement und bezichtigt den Beamten der Verleumdung.

Es sei nämlich so gewesen: "Die haben erst ein paar Algerier kontrolliert, dann haben sie auch mich durchsucht und gesagt, ich muss mitkommen. Der ägyptische Polizist hat mit mir auf Arabisch gesprochen." Es sei harmlos gewesen. "Dann hat sein Kollege gesagt, wir sollen Deutsch reden, damit er es auch verstehen kann. Und plötzlich sagte der Ägypter, ich hätte ihn bedroht!"

"Alle Ägypter töten"

Laut Polizisten gleich mehrfach. "Ich mache mit dir, was Saddam Hussein gemacht hat, alle Ägypter müssen getötet werden", steht beispielsweise in der Anklage. "Wieso reden Sie mit einem Polizisten über Saddam Hussein?", interessiert Rechenmacher. "Er hat mir nicht geglaubt, dass ich aus dem Irak komme", lautet die Antwort.

Dass er wegen der falschen Anschuldigung auf der Polizeiinspektion dann aggressiv geworden sei und geschrien habe, gibt der Teenager zu. "Ich wollte, dass er noch einmal sagt, was er mir vorwirft!"

Der ägyptischstämmige Polizist B. schildert den Vorfall anders. "Wir haben eine Streife gemacht und eine Gruppe beamtshandelt. Der Herr ist im Eingangsbereich gestanden, hat sich einen Joint angezündet, uns angeschaut und gelächelt. Das war ein Aufleger", erzählt der Zeuge.

"Zieh die Uniform aus!"

Man habe A. in einen Raum des Bahnhofs Praterstern gebracht, um seine Dokumente zu kontrollieren und ihn nach Drogen zu durchsuchen. "Da hat er dann schon zu schimpfen begonnen." Der 18-Jährige soll beispielsweise "Verräter, du bist feig. Zieh die Uniform aus, und wir treffen uns im Park!" gerufen haben.

Als man den Beamtshandelten auf die Polizeiinspektion eskortierte, soll er weiters prophezeit haben, er werde den Beamten auch in Zivil erkennen, sowie eine Schussabgabe mit einer Maschinenpistole simuliert und die Sache mit Hussein gesagt haben.

"Haben Sie das ernst genommen?", fragt ihn Rechenmacher. "Ja, schon, Morddrohungen hört man nicht jeden Tag. Ich bin ziemlich der einzige arabischstämmige Polizist in Wien und auch privat in der Gegend. Und auf der Polizeiinspektion hat er mich auch wütend angesehen und mit den Zähnen geknirscht."

Andere Wahrnehmung

B.s Kollegin wiederum hat es ein wenig anders wahrgenommen. Sie habe von außen in dem Raum im Bahnhof eine Schreierei auf Arabisch wahrgenommen. Wann ihr der andere Beamte von der Drohung erzählt hat, weiß sie nicht mehr, glaubt sich aber erinnern zu können, dass B. gesagt hat, es sei während der Durchsuchung gewesen.

Die Diskrepanz der Aussagen wächst dann. "Während der Überstellung war die Situation dann entschäft", behauptet sie. "Haben Sie gesehen, ob der Angeklagte eine Bewegung wie mit einer Maschinenpistole gemacht hat?", fragt der Richter. Ihr sei das nicht aufgefallen. Sie weiß auch nicht mehr, ob auf dem Fußweg noch Arabisch gesprochen wurde.

Rechenmacher will die beiden anderen Polizisten, die bei der Überstellung dabei waren, hören und vertagt auf kommende Woche. (Michael Möseneder, 5.1.2015)

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