Mahler-Experte Gilbert Kaplan gestorben

4. Jänner 2016, 12:27
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Der Herausgeber und Dirigent starb an den Folgen einer Krebserkrankung

New York – Ohne Besessenheit wird kein Musiker tief in die von ihm erwählte Materie eindringen und sie künstlerisch substanzvoll erwecken können. Obsession ist wohl eine Voraussetzung künstlerischen Handelns. Gilbert Kaplans Begeisterung kann dennoch getrost als singulär betrachtet werden, als besonderer Fall der musikalischen Interpretationsgeschichte. Kaplans Hingabe galt nämlich einzig und allein der 2. Symphonie von Gustav Mahler.

Was dies monumentale Werk anbelangt, gab es für Kaplan, den erfolgreichen Herausgeber des Monatsmagazins Institutional Investor, ein Schlüsselerlebnis. 1965 hörte der New Yorker (Jahrgang 1941) die Auferstehungssymphonie in der Version von Leopold Stokowski und war in einer Art und Weise davon berührt, die ihn fortan nicht mehr loslassen sollte – und die Kaplan sich nicht erklären konnte. Partiturstudium sollte die eigene Reaktion wie das Werk selbst erhellen. Kaplan, der Laie, studierte hartnäckig, nahm Unterricht, wobei er eigentlich das Werk nur einmal dirigieren wollte. Hierfür wurde das American Symphony Orchestra engagiert, und 1982 gab Kaplan vor geladenem Publikum sein Debüt. Da die breitere Öffentlichkeit letztlich davon erfuhr und daraus so etwas wie ein guter Ruf wurde, bereiste Kaplan schließlich die Welt, um die Zweite zu dirigieren.

Mehr als 65 Orchester sollten im Laufe der Jahre Kaplan als Gastdirigenten begrüßen (auch die Wiener Philharmoniker waren dabei). Zudem erwarb sich Kaplan große Verdienste um die Mahler-Forschung und nahm auch das Adagietto aus der Fünften Symphonie auf – das Monatsmagazin hatte er längst schon verkauft.

Gilbert Kaplan ist am Freitag an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. (Ljubisa Tosic, 4.1.2016)

  • Besondere Beziehung zu Gustav Mahlers Werk: Gilbert Kaplan.
    foto: matthias cremer

    Besondere Beziehung zu Gustav Mahlers Werk: Gilbert Kaplan.

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