Jobwechsel: Gutes Geschäft für Berater

5. Jänner 2016, 10:00
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Viele Angestellte haben innerlich schon gekündigt, bleiben nur, weil sie nicht sicher sind, wie weiter. Für Berater bedeutet das ein großes Geschäft

Jahreswechsel sind bekanntlich eine beliebte Zeit für Vorsätze und Tatendrang. Glaubt man einer Gallup-Umfrage, dann hieße das für 21 Prozent auch, zu kündigen. Denn laut Umfrage weisen so viele Angestellte keine emotionale Bindung an ihr Unternehmen auf und verhalten sich am Arbeitsplatz dadurch destruktiv.

Andrea Gutmann und Elke Schrittesser kennen dieses Gefühl. Beide waren mehrere Jahre in großen Konzernen tätig, hatten gute Positionen und Geld. Als Gutmann beim zehnjährigen Firmenjubiläum den Satz hörte: "Dann fehlen dir jetzt ja nur noch 30", erschrak sie. Das war's also schon?

Es kam anders. Heute berät sie mit Schrittesser Menschen, die auch nach etwas Neuem suchen. Plan A hat Gutmann das Unternehmen getauft, das Menschen neue berufliche Perspektiven bieten möchte.

Suche nach dem Traumjob

Es gibt mittlerweile eine Flut an Beratern und Coaches, die auf der Suche nach neuen Traumjobs helfen. Wer zuerst da war – die hohe Unzufriedenheit oder die professionellen Sinnsucher -, ist die klassische Henne-Ei-Frage. Viele Menschen interessieren sich jedenfalls für einen Blick von außen, Ratschläge und Anregungen.

Christian Schrofler war einer von ihnen. Zuerst war er fünfzehn Jahre beim ersten, dann neun Jahre beim zweiten großen Unternehmen im Marketing tätig. Schon längere Zeit spielte er mit den Gedanken, sich selbstständig zu machen oder in ein kleineres Unternehmen zu wechseln. Als klar wurde, dass seine Position ausgelagert wird, zog er die Notbremse. "Ich wollte wissen, wie es in mir aussieht."

Nicht immer freiwillig

Er sei aber ohne Erwartungshaltung in den eintägigen Einzelworkshop bei Plan A gegangen. Dort verfestigte sich die Idee, sich selbstständig zu machen, "obwohl mir die beiden Coaches eher vom Sprung ins kalte Wasser abrieten, da ich sehr sicherheitsbezogen bin", erinnert sich Schrofler. Heute ist er selbstständiger Marketing- und Kommunikationsberater. Die Angebote der Headhunter abgeschlagen zu haben bereue er "keine Sekunde."

Nicht immer sind Kunden von Gutmann und Schrittesser ganz freiwillig da. Plan A wird auch von Unternehmen engagiert, die Personal abbauen müssen. Betroffene können dann einen Workshoptag einlegen – Outplacement auf die nette Art. Die Stimmung sei aber trotzdem nicht getrübt, schließlich müssten die Betroffenen das Angebot nicht annehmen.

Hauptsache anders

Alexandra Baldessarini nutzte den Tag vor allem für Feedback. "Ich wollte wissen, wo ich stehe und was andere in mir sehen." Dass sie ihren Job als Portfoliomanagerin bald los sein wird, weiß sie schon seit einem Jahr. Mit dem Gedanken hat sie sich deshalb abgefunden und blickt nach vorne. Auch sie möchte in Zukunft lieber selbstständig arbeiten. Anfang 2016 soll es so weit sein.

Der Schritt in die Selbstständigkeit sei tatsächlich häufig Thema, sagt Gutmann. Viele würden aber auch zum Schluss kommen, dass die Sicherheiten, die mit einer Anstellung kommen, doch besser zu einem passen als die riskantere Variante.

Manche kämen auch mit gar keinen Ideen, wie es weitergehen soll. "Sie wissen nur, dass sich was ändern muss", sagt Gutmann. Auch in diesen Fällen hätten sie bis jetzt immer noch binnen eines Tages einen "Fahrplan" gefunden. Nicht immer bedeutet das einen Wechsel. Manchmal könne man die Freude an der Arbeit auch auf andere Weise zurückgewinnen. (Lara Hagen, 5.1.2016)

  • Freiwillig oder unfreiwillig mit der Notwendigkeit neuer Berufswege konfrontiert? Es trifft immer mehr, und damit steigt auch das Angebot professioneller Wegweiser ins Neue.
    foto: istock

    Freiwillig oder unfreiwillig mit der Notwendigkeit neuer Berufswege konfrontiert? Es trifft immer mehr, und damit steigt auch das Angebot professioneller Wegweiser ins Neue.

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