Trickreich: Bacillus cereus

4. Jänner 2016, 12:00
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Es gibt Bakterienkolonien die medikamentös schwer zu bekämpfen sind – ein Keim namens Bacillus cereus kann "alternative Lebensform" ausbilden

Der Keim Bacillus cereus, der Erbrechen, Durchfall, aber auch Blutvergiftungen oder Augeninfektionen verursachen kann, besitzt offenbar drei "Aggregatzustände". Wissenschafter der Universität für Veterinärmedizin in Wien haben entdeckt, dass er neben einer aktiven Form und Sporen auch eine widerstandsfähige Variante mit kleinen Kolonien bilden kann. Das schützt vor Entdeckung und Therapie.

Das Bakterium B. cereus galt bisher als ausschließlich Sporen bildendes Bakterium. Das heißt, es bildet unter schwierigen Lebensbedingungen Sporen aus und kann in dieser Lebensform lange Zeit ausharren. Verändern sich die Bedingungen, können sich die Sporen wieder zu aktiven Bakterien rückbilden.

Elrike Frenzel, Markus Kranzler und Monika Ehling-Schulz vom Institut für Mikrobiologie der Universität haben nun erstmals gezeigt, dass B. cereus eine weitere alternative Lebensform ausbilden kann, sogenannte Small colony Variants (SCVs). Sie berichten darüber im Fachjournal mBio.

Koloniebildung bei Streptomycintherapie

Zur Bildung solcher Kolonie-Varianten kommt es offenbar unter Therapie mit Aminoglykosid-Antibiotika. Das erste derartige Antibiotikum war Streptomycin. Charakteristisch für SCVs sind demnach ein verlangsamtes Wachstum, ein veränderter Stoffwechsel und eine erhöhte Resistenz gegenüber diesen Arzneimitteln.

"Das Bakterium schützt sich vor dem schädlichen Einfluss der Antibiotika, indem es diese Small Colony Variants bildet. B. cereus wird allerdings üblicherweise mit genau jenen Antibiotika behandelt, die diese SCVs induzieren. Entstehen bei der Verwendung dieser Antibiotika SCVs, entstehen also auch Resistenzen", wurde Elrike Frenzel zitiert. Deshalb sollten solche Infektionen wahrscheinlich am besten mit Antibiotika-Kombinationen behandelt werden.

Auch der Nachweis solcher Keime im Labor ist schwieriger. Die üblichen Diagnosemethoden beruhen auf der Feststellung bestimmter Stoffwechselvorgänge von B. cereus. Da der Stoffwechsel der SCVs verlangsamt und verändert ist, funktionieren diese Tests nicht. Trotz eines geringeren Stoffwechsels produzieren die Keime aber weiterhin Toxine, welche die Krankheitssymptome auslösen. Es gibt aber molekularbiologische Verfahren, mit denen die Keime nachgewiesen werden können. (APA, 4.1.2016)

Originalstudie:

The Endospore-Forming Pathogen Bacillus cereus exploits a Small Colony Variant-Based Diversification Strategy in Response to Aminoglycoside Exposure

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