Die Karriere-Trends 2016

4. Jänner 2016, 11:07
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Ersetzen Roboter die Hälfte aller Jobs? Heißt es im Büro Normalarbeitszeit adé? Wohin es in diesem Jahr gehen wird

Mit Dramatik wird nicht gespart, wenn es um die neue Arbeitswelt geht: keine Chance mehr ohne lebenslange Qualifizierung. Fast die Hälfte aller Arbeitsplätze wird in den kommenden 20 Jahren an Roboter verlorengehen (laut Studie der University of Oxford). Arbeit auf Abruf. Weitere Beschleunigung durch fortschreitende Digitalisierung. Weitere Verschärfung des globalen Wettbewerbs. Das Ende der Normalarbeitszeit und der berechenbaren Arbeitsorte und das Zunehmen globaler Crowdwork.

Angst und Euphorie

Kreative, selbstbewusste Frohnaturen sehen darin individuelle Chancen, erfinden täglich neue Dienstleistungen, jammern nicht über Prekarisierung und machen sich über die nächsten Lebensjahrzehnte nicht so viele Gedanken, glauben vermeintlich sichere Perspektiven und geschützte Wege sowieso nicht mehr. Oder brauchen sie gar nicht. Sie sind die Gewinner der VUCA-Welt, in der alles volatil, unsicher, komplex und voller Ambiguität ist.

Was passiert mit jenen, die keine VUCA-Gewinner sein können oder wollen? Die zunehmende Paradoxie auf den Arbeitsmärkten gibt davon eine Ahnung: Ein wachsendes Heer an Arbeitslosen, an Zurückgelassenen steht Unternehmen gegenüber, die ständig neue Qualifikationen brauchen und klagen, die nötigen Fachleute nicht zu finden.

Was angekommen ist

Experten streiten leidenschaftlich darüber, wohin die vielen Symptome letztlich führen werden. Die Positionen reichen von: "in den Abgrund" bis hin zu einer "global-humanen Arbeitsteilung und -kultur". Angst und Euphorie.

Jedenfalls ist eine neue Runde in der Umwertung, in der Auf- und Abwertung von Arbeit eingeläutet. Was ist schon angekommen?

1. Always on

Arbeit wird immer weniger trennbar von der sogenannten Freizeit. Nicht nur für Selbstständige und Multijobber, auch für Teleworker und Fixangestellte. Always on ist angekommen. Mit allen auch negativen Folgen – Abgrenzung und Selbstschutz der Einzelnen hinken (noch) hinterher.

2. Online-Ich

Big Data bringt die Umkehr der Personalsuche in ein Gefundenwerden der Kandidaten in Gang. Mit allen Selektionsnachteilen der jeweiligen Algorithmen. Die elektronische Spur wird relevanter, das suchmaschinenoptimierte Ich ist angekommen.

3. Mitbestimmung in Unternehmen

Hierarchische Strukturen wackeln und sind auf dem Weg zu autoritätsgeprägtem Management und zu neuen Formen der Mitbestimmung – bis hin zur Holacracy genannten Unternehmensdemokratie.

4. Örtlich flexibles Arbeiten

Mit der Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeit ändert sich die Architektur. Büro ade ist noch nicht da, aber Kokreation, Kollaboration und zunehmende Projektarbeit sowie Arbeit auf Abruf rufen neue architektonische Konzepte in die Welt. Der gute alte Schreibtisch als Grundausstattung und Statussymbol für jeden wird verschwinden wie vor einigen Jahren der Aschenbecher aus dem Office. Vielerorts rollen die Leute schon mit ihren Kleincontainern durch die Firma oder arbeiten in Co-Working-Spaces.

5. Sinn-Anspruch an Arbeit

Die Einführung der Kategorie Sinn in das Anspruchskonzept an Arbeit treibt die Unternehmenskulturen. Im Konzert mit den Vernetzungsgewohnheiten und der sogenannten "Shareness" nachrückender Junger darf sich die Personalwirtschaft gänzlich neu erfinden. Nicht nur dass die Babyboomer in den OECD-Staaten in die Pension gehen und Werte plus Wissen plus Ansprüche der neuen Generationen das Altbekannte in Führung und Management, in Organisation und Unternehmenskultur unpassend machen: Flexibilität erhält eine neue Dimension – es geht nicht nur um die Ad-hoc-Verfügbarkeit der Mitarbeiter. Jetzt geht es auch um jene Flexibilität, die Organisationen den Leuten anbieten können und wollen, die sie haben wollen.

Die Begehrten kommen sonst nämlich nicht oder sind flexibel genug, schnell wieder zu gehen: Wie viel Familie darf Platz haben? Wie viel Freizeit? Was heißt Leistung – und vor allem: Können Firmen noch so wie gestern vorschreiben, wie sie erbracht zu werden hat? Welche Position hat das Unternehmen als Corporate Citizen?

6. Neuer Menschentyp gefragt

Die Zeiten schöner Prospekte und gekonnter Pink Paintings sind damit vorbei. Neue Medien heißt auch maximale Transparenz zwischen Promise und Deliver. Die Gleichung: weiblich, gebildet, Familienmutter = schlechtere Karten beispielsweise wird nicht mehr gelten können, wenn es um das Betriebsmittel Wissen, Kreativität und Diversität geht.

Auch wenn Rahmengesetze (Arbeitsrecht) derzeit noch vieles nicht zulassen – der Paradigmenwechsel hat schon überall begonnen. Weil alle Bereiche eines Unternehmens vom Wandel erfasst werden: Das Denken und Arbeiten in Netzwerken zieht rasant ein, die Grenzen sind längst geöffnet.

Dass Lebensläufe nun anders aussehen als die klassischen Pfade, lässt ahnen, dass Kreativität, Empathie und die Fähigkeit, bereichsübergreifend und ganzheitlich zu denken, wohl Schlüsselqualifikationen sind. Das wird sich im Bildungssystem bemerkbar machen – gut möglich, dass Absolventen von Kunsthochschulen, geschult in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Disziplinen, traditionellen MBAs die Stirn bieten können.

Die drei Treiber "Überfluss, Asien und Automatisierung", schreibt Daniel H. Pink in seinem Buch A Whole New Mind: Why Right-Brainers Will Rule The Future, würden dazu führen, dass auf dem Arbeitsmarkt ein neuer Menschentyp gefragt sein werde.

Es rumpelt

Inzwischen rumpelt es aber immer kräftiger inmitten der Transformation. Zentrale Fragen wie Rekordarbeitslosigkeit und deren Struktur (Junge und Ältere werden abgehängt), Integration in und Verteilung von Arbeit warten auf Antwort. Wachstum allein hilft nicht. Trotz etwas erfreulicherer BIP-Prognose für 2016 (1,6 Prozent plus). (Karin Bauer, 4.1.2016)

  • Eine neue Runde in der Umwertung, in der Auf- und Abwertung von Arbeit ist im Gange. Verschwindet die Hälfte aller Jobs zugunsten von Robotern? Heißt es Büro und Normalarbeitszeit ade? Wer steht in der neuen Arbeitswelt auf der Gewinnerliste?
    foto: istock

    Eine neue Runde in der Umwertung, in der Auf- und Abwertung von Arbeit ist im Gange. Verschwindet die Hälfte aller Jobs zugunsten von Robotern? Heißt es Büro und Normalarbeitszeit ade? Wer steht in der neuen Arbeitswelt auf der Gewinnerliste?

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