Anklage gegen Israelis nach "Mord in Duma"

3. Jänner 2016, 17:56
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21-Jähriger soll Brandanschlag auf palästinensische Familie gestanden haben

Der "Mord in Duma", der als einer der Gründe für die Unruhen der vergangenen Monate in Israel und den Palästinensergebieten gilt, dürfte aufgeklärt sein: In dem palästinensischen Dorf waren im Juli ein Kleinkind und ein Elternpaar durch einen Brandanschlag getötet worden. Am Sonntag erhob die israelische Staatsanwaltschaft Anklage gegen vier jüdische Extremisten. Ihnen werden eine Reihe von Gewalttaten aus rassistisch-nationalistischen Motiven und die Zugehörigkeit zu einer Terrororganisation vorgeworfen.

Einer von ihnen, der zuletzt als in Jerusalem gemeldete 21-jährige Amiram B.-U., wurde des dreifachen Mordes an der Familie angeklagt und soll bereits gestanden haben. Außerdem wird ein 17-Jähriger der Beihilfe beschuldigt.

Der Prozess ist der erste konkrete Erfolg in den zuletzt vom israelischen Inlandsgeheimdienst und der Polizei forcierten Ermittlungen gegen gewalttätige Extremisten unter jüdischen Siedlern im Westjordanland. Die Sicherheitsbehörden sollen Beweise gegen Dutzende radikale Jugendliche und junge Männer gesammelt haben, denen Vandalenakte, Brandstiftungen, Steinwurfattacken und andere Straftaten angelastet werden.

Die "Hügel-Jugend" im Visier

Die religiös-nationalistischen Jugendlichen, die als verwahrlost gelten, aber auch von radikalen Rabbinern beeinflusst sein sollen, gehören zum Teil zu einer losen Gruppe, die vor mehreren Jahren als "Hügel-Jugend" bekannt wurde. Seit 2013 scheinen sie sich nach und nach organisiert zu haben – es sollen Operationspläne für einen "Aufstand" gefunden worden sein, der zur Abschaffung des Staates Israel und zur Krönung eines "Königs" führen soll.

Den israelischen Justizbehörden war vorgeworfen worden, gegen diese Extremisten nicht energisch genug vorzugehen und zu lange für die Aufklärung ihrer Verbrechen zu brauchen.

Von den Behörden hatte es geheißen, es sei besonders schwierig, in diese Szene einzudringen. Den Mord in Duma haben die beiden Komplizen laut Anklage als Rache für den Mord an einem Israeli gemeinsam präzise vorbereitet, die Brandsätze habe aber der 21-Jährige allein geworfen.

Suche nach Täter von Tel Aviv

In Israel ging indes am Sonntag die Fahndung nach dem 31-jährigen Nashat M. weiter, der Freitagnachmittag in einem Vergnügungsviertel in Tel Aviv mit einer automatischen Waffe um sich geschossen hatte. In einem Pub wurden dabei der Geschäftsführer und ein Gast getötet, mehrere Menschen wurden verletzt. Experten sahen eine Nachahmung der jüngsten Attentate in Paris.

Der mutmaßliche Angreifer, ein israelischer Bürger aus dem arabischen Dorf Arara, ist bekannt, weil er von seinem Vater auf Videoaufnahmen identifiziert wurde. Er verließ den Tatort zu Fuß und wurde seither nicht mehr gesehen. Dutzende Sicherheitsbeamte durchkämmten mit gezogener Waffe ergebnislos die Stiegenhäuser umliegender Gebäude.

Die Möglichkeit, dass sich der Mann noch immer in der Stadt aufhält, macht viele Tel Aviver nervös. Manche Eltern haben ihre Kinder am Sonntag, dem ersten Tag der israelischen Arbeitswoche, nicht in die Schule geschickt. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, 3.1.2016)

  • Ende Juli 2015 kamen im Dorf Duma im West jordanland zwei Erwachsene und deren Kleinkind bei einem Brandanschlag ums Leben. Nun wurde Anklage erhoben.
    foto: reuters / a. o. qusini

    Ende Juli 2015 kamen im Dorf Duma im West jordanland zwei Erwachsene und deren Kleinkind bei einem Brandanschlag ums Leben. Nun wurde Anklage erhoben.

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