Rio fürchtet mehr die Banden als den Terror

4. Jänner 2016, 12:31
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Umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Sommerspiele

Der Weg vom Flughafen in die Innenstadt von Rio de Janeiro führt kilometerlang an bunten Wänden vorbei. Abgeschirmt wird der Blick auf ein wenig glamouröses Leben jenseits von Copacabana und Ipanema. Hier, im Komplex Maré, sind 16 Favelas vereint, hier regiert das organisierte Verbrechen.

Fragt man die Verantwortlichen für die Olympischen Sommerspiele nach der größten Herausforderung, verweisen sie auf Maré: "Der Feind sitzt im eigenen Land." Manche Viertel würden Kriegsgebieten gleichen, gab sogar Rios Sicherheitschef José Mariano Beltrame zu. Bei Schießereien zwischen Polizei und Kriminellen kamen 2014 rund 580 Menschen um.

Bis vor kurzem konzentrierte sich Rios Sicherheitskonzept deshalb weniger auf Terrorabwehr, sondern vielmehr auf den Kampf gegen Bandenkriminalität. Auch nach den Anschlägen von Paris soll sich daran nichts ändern. Das Sicherheitskonzept sei das gleiche wie zur Fußball-WM 2014, bestätigt Justizminister José Eduardo Cardozo. Das Land sei noch nie im Visier des internationalen Terrorismus gewesen.

Verweis auf München 1972

Experten warnen allerdings davor, sich in Sicherheit zu wähnen. Der ehemalige Elitepolizist und jetzige Universitätsdozent Paulo Storani verweist auf Olympia 1972 in München: Deutschland stand vorher auch nicht auf der Landkarte des Terrors.

Insgesamt sollen in Rio de Janeiro 38.000 Soldaten, 18.000 Polizisten und nochmals tausende private Sicherheitskräfte im Einsatz sein – das bisher größte Sicherheitsaufgebot für ein sportliches Großereignis überhaupt.

Die Stadtverwaltung will Booklets mit detaillierten Wegbeschreibungen zu den Sportstätten verteilen. "Wir empfehlen niemandem, die offiziellen Wege zu verlassen", warnt der Verantwortliche Roberto Alzir. Auf den Karten ist die "andere" Realität allerdings nicht verzeichnet: über 800 Favelas, in denen knapp ein Viertel der zwölf Millionen Menschen im Großraum Rio lebt. (kreutz, 4.1.2016)

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