Neujahrsjazzfestival: Jazz als Reise- und Leinwand-Soundtrack

1. Jänner 2016, 17:04
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An drei Tagen im Feldkircher Saumarkt-Theater: Septessenz, SeeQ und Stummfilm-Livevertonungen von Roland Jenny & Dulac Chamber Group

Am Samstag startet das traditionelle Neujahrsjazzfestival im Feldkircher Saumarkt-Theater in drei Tage mit ebenso vielen Bands aus der Region. Den Auftakt machen Patrik Haumer (Trompete, Flügelhorn) und Thomas Heel (Gitarren, Komposition), die als SeeQ eine musikalische Reise durch heimische See- und Seelenlandschaften unternehmen: vom Schwarzen zum Seewaldsee, vom Kopser- zum Lünersee, vom Thier- zum Irrsee – und zurück ins Aquarium.

Am Sonntag spielt das Streichquartett Septessenz Kompositionen der Vorarlberger Jonas Knecht (Saxofon) und Dietmar Kirchner (Kontrabass). Gemeinsam mit den Geigerinnen Ingrid Locker und Ruth Konzett, Bratschist Georg Ohanjanjan und Cellistin Rosa Amsel sowie Harfenistin Xenia Schindler kombinieren sie Elemente aus Barock und Klassik mit zeitgenössischem Jazz – ganz nach dem Band-Motto "Bach und Chick Corea passen gut zusammen".

Weiter geht es am Dienstag mit Live-Soundtracks zu zwei selten gespielten cineastischen Leckerbissen des (semi)avantgardistischen französischen Kinos der 1920er-Jahre. Zuerst begleitet das achtköpfige Ensemble Roland Jenny & Dulac Chamber Group Dmitri Kirsanoffs impressionistischen Klassiker Ménilmontant (1924). Darin erzählt der Exilrusse die Geschichte eines Mädchens, das ein Kind bekommt, aber vom Mann im Stich gelassen wird. Mit langen Einstellungen und als Milieustudie nahm Kirsanoff die Filme der Nouvelle Vague vorweg.

Musikalisch mischen Gitarrist Jenny und seine Begleiter freie Improvisationen mit komponierten Miniaturen. Im zweiten Teil kommen vertrackte Freejazz-Elemente und E-Gitarreneffekte zum Einsatz, wenn die stummen Bilder von La Coquille et le Clergyman (1926-28) flimmern: "Die Muschel und der Kleriker" ist eine Ödipus-Variation nach einem Drehbuch von Antonin Artaud – der mit der Inszenierung von Regisseurin Germaine Dulac gar nicht einverstanden war und bei der Premiere einen Skandal provozierte. Dessen ungeachtet gilt das Werk als erster surrealistischer Film der Kinogeschichte, der seinerzeit prompt den Zensor auf den Plan rief. (dog, 2.1.2016)

2.-5. 1., Feldkirch, Theater am Saumarkt, 20.15

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