Dakar: Der Wahnsinn hängt an seinem Namen

1. Jänner 2016, 15:46
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Rallye-Rekordweltmeister Loeb debütiert bei der 37. Auflage der Rallye Dakar – Salzburger Walkner als Motorrad-Mitfavorit

Buenos Aires – Seit 2007 ist die Hauptstadt des Senegal nicht mehr das Ziel des ultimativen Offroadevents, aber die Marke Rallye Dakar war zu wertvoll, um sie nach Übersiedlung nach Südamerika einfach ad acta zu legen. Dort ist zwar die Gefahr eines Terroranschlags geringer, das Rennen selbst – das haben die sieben Auflagen seit 2009 gezeigt – ist aber für Mensch und Material härter, als es jemals in Afrika war.

9246 Kilometer haben die Autos während der 37. Rallye Dakar zurückzulegen, 4792 Kilometer sind für die Wertung relevant. Die Entfernungen für Motorräder, Trucks und Quads weichen aufgrund veränderter Streckenführungen etwas ab, sind aber nicht minder beeindruckend. Zumal alle den extremen Bedingungen unterworfen sind. Nach dem Prolog zwischen Buenos Aires und Rosario folgen Tage großer Hitze in Argentinien, ehe es in Richtung Anden und Bolivien geht. Auf bis zu 4600 Metern Höhe warten Temperaturen um den Gefrierpunkt und dünne Luft. Klimatische Überraschungen sind zudem nicht ausgeschlossen, obwohl die in Peru geplanten Etappen wegen der Auswirkungen von El Niño frühzeitig gestrichen worden waren.

Es wird nicht sicherer

Es nimmt nicht wunder, dass die Rallye Dakar unter diesen Umständen insgesamt auch nicht weniger gefährlich geworden ist. Zwölf Menschen kamen seit der Verlegung über den Atlantik ums Leben, 44 waren es in 29 afrikanischen Rennen, wobei Unbeteiligte anteilsmäßig deutlich öfter zu Schaden kamen. Ein Drittel der bisher insgesamt 66 Todesopfer waren tatsächlich Aktive, der bisher Letzte im Vorjahr ein polnischer Motorradfahrer.

Weder die gruselige Bilanz, geschweige denn die ethische Fragwürdigkeit mindert die Attraktivität der Veranstaltung für Sponsoren und Szenestars. Mit Spannung wird in diesem Jahr das Antreten von Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb (41) verfolgt, der sich die 13 Etappen mit seinem etatmäßigen Beifahrer Daniel Elena in einem Peugeot gibt. Das elsässisch-monegassische Duo hat 78 Rallye-WM-Läufe gewonnen. In der Offroadszene Fuß zu fassen ist aber schwierig. Bei der Rallye Marokko übten Loeb/Elena weit von der Spitze weg. "Wir sind hier, um zu lernen, deshalb mache ich mir nicht zu viel Druck", sagte Loeb.

Fahren mit Hirn

Im Vorjahr höchst erfolgreich geübt hat Motocross-Weltmeister Matthias Walkner. Der Salzburger hatte am Dreikönigstag auf KTM die dritte Etappe für sich entschieden, musste aber während der zehnten Etappe auch durch eine Lebensmittelvergiftung entkräftet aufgeben. Im vergangenen Oktober stärkte sich der 29-Jährige durch den Gewinn des Cross-Country-WM-Titels in Marokko. Bei der Dakar will er heuer "mehr das Hirn einschalten und auch ein bisschen mehr auf Durchkommen fahren". Eine triumphale Ankunft am 16. Jänner in Rosario ist nicht auszuschließen. (APA, sid, lü, 1.1.2016)

  • Rallye-Rekordweltmeister  Sébastien Loeb (41) ist gekommen, um zu üben.
    foto: apa/afp/franck fife

    Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb (41) ist gekommen, um zu üben.

  • Der Streckenplan im Überblick
    grafik: apa

    Der Streckenplan im Überblick

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