Der (gute) Rutsch

2. Jänner 2016, 17:00
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Begriff mit unklarer Herkunft: der (gute) Rutsch, ein Klassiker im Neujahrsvorfeld

Der zweite Jänner ist's: Wünsche, wohl gerutscht zu sein! Der vor allem im zeitlich relativ eng eingegrenzten Neujahrsvorfeld massenhaft auftretende Wunsch für einen "Guten Rutsch ins neue Jahr" wird somit für längere Zeit eingemottet und erst im Dezember wieder aus der Kiste geholt. Wer den Rutsch saisonunabhängig ins Gespräch bringen will, kann indes ja ersatzweise das Kinderlied "Ri, ra, rutsch" anstimmen.

Wovon sich der "Rutsch" ableitet, ist evident: Vom Verbum "rutschen" natürlich. Diffiziler ist es, dessen sprachgeschichtlichen Ursprung zu erhellen. In dem von Etymologiepapst Friedrich Kluge begründeten Wörterbuch heißt es lapidar, zum frühneuhochdeutschen "rütschen" gebe es die älteren Nebenformen "rützen" und "rutzen", davon abgesehen sei die Herkunft des Wortes "unklar".

Ein "Rutscher" ist laut Österreichischem Wörterbuch ein umgangssprachlicher Ausdruck für "Ausrutschen" und Synonym für den Ausflug: Der Rutscher aufs Land ist das Äquivalent einer Landpartie. In einem obszönen Nebensinn bedeutet der "Rutscher" (oder "Rutsch") "Koitus". Die wienerische "Rutschn" ist eine Rutschbahn: Ein Mensch, der einem andern eine solche legt, fördert ihn, nimmt ihm die Hindernisse aus dem Weg. Die "Rutschn" hat aber auch negative Aspekte: "Auf wem a Rutschn ham" heißt "jemanden nicht leiden können"; jemandem "die Rutschn bauen", ihn zu verpfeifen. Wer auf dem schlüpfigen Terrain des Verrats nicht ausrutschen will, möge sich also um rutschfestes Schuhwerk bemühen. (win, 2.1.2016)

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    foto: dapd / jens-ulrich koch
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