Spielfeld: Anzeige gegen Biker-Wirt mit Schrotflinte

30. Dezember 2015, 17:38
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Videos zeigen, wie Gastronom Demonstranten attackiert und erzählt, dass er auf einen Flüchtling gezielt habe. Grünen-Bezirkssprecherin und Anwältin verfassten Sachverhaltsdarstellung

Spielfeld/Graz – Als im Oktober und November immer wieder Gerüchte über Plünderungen in Spielfeld die Runde machten, die von der Polizei dementiert wurden (DER STANDARD berichtete), sprach Werner L., Wirt eines Bikerlokals in Spielfeld, von "Krieg" und "Bürgerkrieg" und patrouillierte mit Gewehr vor seinem Lokal. In Videos, die man auf rechten Seiten und Youtube veröffentlichte, warnte er vor Flüchtlingen, die er lieber "Invasoren" nannte.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache postete später stolz ein Foto von sich und der "Legende aus der Südsteiermark" auf Facebook. Doch L. beließ es nicht nur beim Posieren mit der Waffe. In einem Video erzählt er freimütig, wie er einen Flüchtling mit seiner Flinte bedroht habe, von dem er sagt, er habe seine Notdurft auf seinem Grundstück verrichten wollen.

Auf einem anderen Video attackiert L. – offenbar ohne jede Vorwarnung – eine für Flüchtlinge demonstrierende und an ihm vorbeiziehende Person mit einer Dose, die wie Pfefferspray aussieht.

Tina Wirnsberger, grüne Bezirkssprecherin in Graz, die sich für Flüchtlinge einsetzt und dafür kürzlich von den Lesern der "Kleinen Zeitung" zur "Grazerin des Jahres" gekürt wurde, und die Anwältin und Vorstandsvorsitzende der Grazer Grünen, Susanna Ecker, haben nun eine Sachverhaltsdarstellung gegen L. bei der Staatsanwaltschaft eingebracht.

"Gefährliche Drohung"

Anwältin Ecker zählt die Tatbestände, derentwegen man L. angezeigt habe, auf: "Gefährliche Drohung, allenfalls Nötigung und, weil er NS-Symbole offen zur Schau trägt und damit die Ideologie weiter verherrlicht, auch wegen NS-Wiederbetätigung." Ein Foto, das der Anzeige beiliegt, zeige nämlich L. auf einem Motorrad sitzend, auf dem ein Reichsadler prangt, ein anderes mit einem SS-Totenkopf auf seinem Ledergilet.

Der Wirt, der in österreichischen Medien bisher wegen seiner Steaks oder höchstens als "Mann deftiger Worte" vorkam, fiel Beobachtern der rechten Szene schon vor seinem Griff zu Flinte und Pfefferspray auf. Der Linzer Polizist und Datenforensiker Uwe Sailer, der seit Jahren in der rechtsextremen Szene recherchiert, hat L. schon vor Jahren angezeigt, wie er dem STANDARD erzählt. "Aus meiner Sicht ist das eine Person, die auf jeden Fall dem extremen rechten Lager zugerechnet werden muss", sagt Sailer.

Auf STANDARD-Nachfrage sagt L., dass er von der Anzeige der zwei Frauen nichts wisse, und: "Das ist mir wurscht." Auf die Frage nach dem Pfefferspray gibt L. an, dass er es eingesetzt habe, weil er sich "von den Linken nicht bespucken" lasse. Überhaupt habe er "nichts Ungerechtes gemacht". Das Gespräch beendet der Wirt grußlos durch Auflegen des Telefons.

Wirnsberger will neben der Anzeige auch informieren, "aus welchen Kreisen bewusst Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht wird". "Es wäre wichtig, dass die Politik hier Verantwortung übernimmt", sagt sie. Die Grüne wünscht sich parteiübergreifende Informationsveranstaltungen, "um den Bürgerversammlungen Straches etwas entgegenzuhalten. Jede steirische Gemeinde kann Experten von der Organisation Zebra anfordern", betont Wirnsberger. (Colette M. Schmidt, 31.12.2015)

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