Tatort: "Atemlos, bis es kracht und der Terror neu erwacht"

1. Jänner 2016, 09:00
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In der "Tatort"-Terror-Doppelfolge zum Jahresanfang muss Til Schweiger viel töten und weinen, Helene Fischer ist als Rachebarbie dabei

Kurz nach den Terroranschlägen von Paris (13. November) war Til Schweiger natürlich sehr geschockt und betroffen. Aber er war auch sauer. Denn der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der für den Hamburger Tatort verantwortlich ist, setzte kurzerhand die für 22. und 29. November geplante Ausstrahlung der Doppelfolge Der große Schmerz und Fegefeuer ab.

"Es passt einfach nicht in diese Wochen, eine Krimireihe zu zeigen, in der es auch um einen terroristischen Angriff geht", erklärte NDR-Programmdirektor Frank Beckmann. Schweigers Konter: "Wir sollten uns nicht von Terroristen unsere Freiheit rauben lassen, und dazu gehört auch die, was wir im Fernsehen zeigen."

Russenmafia, Waffen, Terror, Prostitution

Schweiger mag als Ermittler Nick Tschiller der härteste aller Tatort-Kommissare sein, aber Beckmann war härter. Kein Sendeplatz für Schweiger. Doch jetzt ist es so weit, die Doppelfolge wird am 1. und am 3. Jänner gezeigt.

Mit kleinen Morden im bescheidenden Vorstadtmilieu gibt sich Schweiger natürlich auch diesmal wieder nicht ab. Es geht vor der gewaltigen Kulisse des Hamburger Hafens um das ganz große Ganze, um die Russenmafia, Waffen, Terror, Prostitution, Bestechung und Mega-Deals.

Wer Schweiger mag, findet auch Helene Fischer gut

Gemein, wie sein ewig böser Gegenspieler Firat Astan (Erdal Yildiz) nun mal ist, hat er sich diesmal Kommissar Tschillers Tochter Lenny (Luna Schweiger) und dessen Ex-Frau Isabella (Stefanie Schappenbeck) gekrallt. Beide gibt's zurück, wenn Astan bei der geplanten Überstellung vom Hamburger in den bayerischen Knast die Flucht gelingt.

Wenn schon große Oper, dann gleich mit Schlagersahne, mag man sich beim NDR gedacht haben. Oder: Wer Til Schweiger mag, findet sicher auch Helene Fischer gut. Und so will es das Drehbuch, dass die Sängerin den russischen Racheengel und die Ex-Prostituierte Leyla gibt.

Schweiger ist in dem opulenten Actionstreifen mit einigen sehr rasanten Szenen einfach Schweiger. Wie immer halt, nur diesmal muss er, weil es ja um seine Familie geht, viel weinen – was seine Rolle aber auch nicht besser macht.

Barbarella-Gedenkanzug

Helene Fischer ist hingegen schon optisch eine Offenbarung. Sie trägt eine schlechte Perücke und absurd-grüne Kontaktlinsen. Ein schwarzer, alleweil gut sitzender Barbarella-Gedenkanzug komplettiert den Look der Plastik-Barbie. Mimik: null. Gestik: nicht vorhanden. Es ist selbst für unfreiwillige Satire einfach zu schlecht.

Als sie über erzwungenen Geschlechtsverkehr spricht, benutzt sie tatsächlich das F-Wort. Vermutlich werden Millionen ihrer Anhänger in Ohnmacht fallen, weil sie es überhaupt kennt. Ansonsten: Blut, Brutalität, Nutten wie aus der Vogue entstiegen. Da stört der Hamburger Innensenator als koksendes und mit der Mafia paktierendes Klischee auf zwei Beinen auch schon nicht mehr.

Nach dieser dritten und vierten der insgesamt vierteiligen Tschiller-Saga soll es ja dann mit dem Hamburger Tatort im Kino weitergehen. Das ist eine gute Idee, dann würde nämlich Sendeplatz für weniger größenwahnsinnige Tatort-Folgen frei werden. (Birgit Baumann, 1.1.2016)

Sendetermine

"Der große Schmerz", 1. Jänner 20.15 Uhr, ARD, ORF

"Fegefeuer", 3. Jänner, 20.15 Uhr, ARD, ORF

  • Artikelbild
    foto: ard/ndr
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