Jack Frost: Sound der Melancholie, Kraft der Düsternis

30. Dezember 2015, 16:59
4 Postings

Die Linzer Band wird am 31. Dezember in der Stadtwerkstatt aufspielen. Mit dabei das neue Album "Melaina Chole", das mit mächtigen Gitarrensouds wie auch mit fragilen Trauerpassagen aufwartet

Linz – Seit 1993 betreiben die Linzer Buam Robert Hackl alias Mournful Morales (Gitarre), Sänger/Bassist Manfred Klahre (Künstlername: Phred Phinster) und Schlagzeuger Manfred Kollross ("Collossos Rossos") die Band Jack Frost. Heute läuten die inzwischen mit einem Mann verstärkten Düsterrocker das neue Jahr mit einem "Silvesterball"-Konzert in der Linzer Stadtwerkstatt ein. Die drei Gründungsmitglieder sind Kinder der Schwarzen Szene, die in den 1980ern als Fortsetzung respektive Neuorientierung der Punkbewegung entstand.

Damals war diese Gothic-Rock- und Dark-Wave-Szene noch weitgehend frei von Mittelalternostalgie. Combos wie Sisters Of Mercy, The Mission oder Fields Of The Nephilim spielten verschleppte Gitarren sowie getragene und klagend-morbide Lieder. Fields Of The Nephilim nennt Mournful Morales auch als eine Hauptinspiration für Jack Frost.

Der Bandname ist einem Saint-Vitus-Song entlehnt, anfangs orientierte sich Jack Frost auch eher am Zeitlupen-Doom-Metal der Black-Sabbath-Verehrer Saint Vitus. Mit dem zweiten Gitarristen Gary Gloom und dem Album Glow Dying Sun kam 1999 dann eine stilistische Veränderung in Richtung klassischen Gothic Rocks im Stil von Joy Division, Swans oder Bauhaus. Mit mehr Flexibilität in puncto Harmonien und Gitarrensoli hat das Quartett auch sein heuer erschienenes achtes Studioalbum Melaina Chole eingespielt.

Der Albumtitel bedeutet im Griechischen "schwarze Galle" – bezeichnet also den Saft, der die Band aber nicht in die totale Trübsinnigkeit abgleiten lässt, sondern im Gegenteil ihre Kreativität beflügelt. Melancholia muss nicht unbedingt nur Pein sein, in der Molllastigkeit liegt eine triste Schönheit. Auf Melaina Chole entführen mächtige Gitarrenwände ebenso wie fragile Akustikpassagen in eine Zone irgendwo zwischen Doom, New Wave und Johnny Cash – ein Stil, den die Band selbst als "Gloom Rock" bezeichnet.

Die Texte handeln vom Scheitern. Ohne Plattenfirma, aber mithilfe einer Berliner Agentur verbreitet Jack Frost das Album derzeit nur bei Live-Shows und via Internet. Beim Silvesterball geht es nach den Düstermännern mit Plattenverlegungen vom BlauCrowd DJ Team weiter, das den Tanzboden mit Punk, Ska und tanzbaren Rockhadern aus den 1960ern, 1970ern, 1980ern und 1990ern beschallen wird. (Gerhard Dorfi, 31.12.2015)

Linz, Stadtwerkstatt, 31.12., 23.59 Uhr

  • Sie sind irgendwo zwischen Doom, atmosphärischem New Wave und Johnny Cash angesiedelt. Die Band Jack Frost pflegt einen Stil, den sie selbst als "Gloom Rock" bezeichnet.
    foto: stadtwerkstatt

    Sie sind irgendwo zwischen Doom, atmosphärischem New Wave und Johnny Cash angesiedelt. Die Band Jack Frost pflegt einen Stil, den sie selbst als "Gloom Rock" bezeichnet.

Share if you care.