Extremes Wetter in Nordeuropa erreicht den Pol

30. Dezember 2015, 16:19
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Am Nordpol könnte es um 30 Grad wärmer werden als sonst, ein starkes Tief im Norden von Island hat einen starken Sturm im Gepäck

Washington/Wien – Wie auf einem Förderband wird die warme Luft der Azoren im Moment nach Spitzbergen jenseits des Polarkreises transportiert. Vier Grad Celsius hat es im Moment auf den Inseln, auf denen sich durch das ewige Eis auch die weltweite Pflanzensamenbank befindet. Normalerweise liegt die Durchschnittstemperatur im Dezember bei minus 14 Grad. Schuld an den hohen Temperaturen sind mehrere Tiefdruckgebiete über dem Atlantik und ein mächtiges Hoch über dem Baltikum, das die Druckgegensätze verstärkt, so Roland Reiter vom Wetterdienst Ubimet.

Auch der Nordpol ist von den warmen Luftströmungen betroffen. Ein Modell des Globalen-Prognose-Systems sagt vorher, dass auch dort die Temperaturen auf den Gefrierpunkt ansteigen könnten. Nimmt man – wie viele Experten – an, dass die durchschnittliche Wintertemperatur um minus 30 Grad liegt, so würde das einen Anstieg um 30 Grad Celsius bedeuten (siehe Grafik).

Und es braut sich noch mehr zusammen: Ein schwerer Sturm wütet im Moment nördlich von Island, dessen Kerndruck bei 920 Hektopascal liegt.

Das allein sagt noch nichts über die Intensität des Sturmes aus, doch legt das ein starkes Tief nahe, das nur etwa alle zehn Jahre über Island auftritt. Aussagekräftig ist schlussendlich der Druckgradient, der umso stärker ist, je näher die Gebiete mit gleichem Luftdruck beieinanderliegen.

Warnung vor "Extremsturm"

Die Washington Post zitiert den Umweltblogger Robert Scribbler, der davon ausgeht, dass sich der Sturm mit zwei weiteren Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik verbinden und ein "wahrhaft extremes Sturmsystem" bilden könnte. Vor allem Island und Großbritannien müssten sich dann auf starke Niederschläge und ein Ansteigen der Wasserpegel einstellen. Im Moment hatte der Sturm Windspitzen von bis zu 370 km/h, so die Washington Post. Laut Ubimet war die Spitze des Sturmes in der Nacht auf Mittwoch erlangt.

Über Großbritannien hat er sich bereits wieder abgeschwächt, und doch werden im hochwasserbetroffenen Land Windgeschwindigkeiten von bis zu 129 km/h erwartet. Am Mittwoch waren noch immer drei schwere Flutwarnungen, die auf Lebensgefahr hinweisen, in Kraft – zusätzlich blieben 46 Warnungen, die zum sofortigen Handeln auffordern, in England und Wales in Kraft. In Schottland waren es mehr als 60. Denn Sturm Frank – wie er von der britischen Wetterbehörde genannt wird – bringt auch schwere Niederschläge mit sich.

El Niño

Der Grund für die extremen Wetterereignisse, wie die Überschwemmungen in Großbritannien, Wirbelstürme in den USA oder die Buschfeuer in Australien, soll laut Experten für Atmosphäre das Wetterphänomen El Niño ein. Alle zwei bis sieben Jahre lässt es das Wasser des Pazifiks außergewöhnlich warm werden und kann das Wetter weltweit stören.

Laut den Vereinten Nationen war das Jahr 2015 das wohl wärmste in der Geschichte des Planeten. Heuer wurde der Wärmerekord von einem Grad Celsius Temperaturanstieg gegenüber der vorindustrialisierten Zeit gemessen. 2016 könnte dieser traurige Rekord aber wieder fallen. (bbl, 30.12.2015)

  • Im Norden Europas könnte es noch ungewöhnlicher warm werden.
    grafik: standard

    Im Norden Europas könnte es noch ungewöhnlicher warm werden.

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