Wie Hollywoods Ermittler Filmpiraten aufspüren

30. Dezember 2015, 11:57
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In Großbritannien wurden fünf Männer verurteilt, weil sie über 2.500 Filme illegal verbreitet haben

In Großbritannien wurden vergangene Woche fünf Männer wegen Urheberrechtsverletzung zu jeweils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Anklage warf ihnen unter anderem vor, ihre Identitäten verschleiert zu haben. Aus den Gerichtsunterlagen, die Torrentfreak vorliegen, geht hervor, wie die Ermittler der Filmindustrie von einfachen Usernamen zu den richtigen Wohnadressen kamen.

Über 2.500 Filme verbreitet

Die Antipirateriegruppe Federation Against Copyright Theft (FACT) hat demnach drei Jahre gegen die Männer ermittelt. Verhaftet wurden sie laut FACT bereits 2013, danach auf Kaution freigelassen. Die Briten standen hinter mehreren Gruppen, die laufend urheberrechtlich geschützte Filme im Netz veröffentlicht hatten. Laut der Antipirateriegruppe sollen sie über 2.500 Filme wie "Argo", "The Avengers" oder "James Bond: Skyfall" verbreitet haben. Die Filme seien millionenfach heruntergeladen worden.

Sahil R. wurde beispielsweise enttarnt weil er mit einem User-Namen, den er auf einer Torrent-Seite verwendet hatte unter anderem auch im Forum eines Online-Händlers genutzt hatte. Dort hatte er seinen richtigen Namen genannt. Seinen verschiedenen User-Profilen auf der Torrent konnten zahlreiche Filme-Uploads zugerechnet werden. Auch ein Account bei der Foto-Plattform PhotoBucket wurde unter den gleichen Nutzernamen entdeckt. Als die Ermittler auf den richtigen Namen gestoßen waren, nutzten sie Facebook, um den Arbeitsplatz von Sahil R. ausfindig zu machen. Über eine Kreditauskunftfirma konnte die Wohnadresse des Mannes ermittelt werden.

Echte Name und Geburtsdatum als Username

Der Verurteilte Reece B. wiederum nutzte bei den Uploads seinen echten Nachnamen in Kombination mit seinem Geburtsjahr als Usernamen. Zudem hatte er in einem Posting den Namen Ria genannt. Über die Kreditauskunftfirma konnte FACT wieder die Adresse ausfindig machen. Die Ermittler gingen richtig davon aus, dass der Username Nachname und Geburtsjahr enthielt und suchten dann nach Verbindungen zu einer Person namens Ria. So fanden sie die richtige Wohnadresse von B.

Graeme R. nutzte ebenfalls einen Usernamen, der auf seinen echten Nachnamen schließen ließ. Bei den Encoding-Informationen der Filme gab er zudem eine Hushmail-Kontaktadresse an, die er auch auf seinem Facebook-Profil verwendet hatte. Dort bezeichnet er sich selbst als Encoder. Auf seine Adresse stießen die Ermittler über das Wählerverzeichnis.

Live.com-Mailadresse verwendet

Auch bei Ben C. sahen sich die Ermittler die Dateiinformationen an und stießen auf einen Nutzernamen, der ebenfalls seinem Nachnamen ähnelte, sowie auf eine Live.com-Email-Adresse. Die gleiche Adresse gab C. auf Facebook an. Wieder konnte die Wohnadresse mithilfe der Kreditauskunftei ermittelt werden.

Der fünfte im Bunde, Scott H., war bei seinem Usernamen weniger achtlos. Allerdings entdeckte FACT auch hier eine Live.com-Mailadresse in den Infos zum Encoding der Filme. H. hatte die Adresse auch in einem Forum eines Kabelanbieters verwendet. Das Unternehmen dürfte bekannt gegeben haben, dass es sich bei dem Kunden um die Mutter von H. handelte. Erneut fand FACT die Wohnadresse mithilfe der Kreditauskunftfirma heraus, da H. und seine Mutter im selben Haus lebten.

Die Angeklagten wurden demnach ausgeforscht, weil sie teilweise Usernamen ähnlich ihren richtigen Namen verwendeten, damit in mehreren Foren unterwegs waren und auf mehrfach genutzte E-Mail-Adressen setzten. Die Ermittler mussten so nur nach diesen Angaben suchen, konnten Verbindungen zwischen den verschiedenen Filmuploadgruppen herstellen und stießen mithilfe privater Unternehmen auf die richtige Wohnadresse. (red, 30.12.2015)

  • Gerichtsunterlagen aus einem Verfahren in Großbritannien zeigen wie Ermittler die Spuren von Filmpiraten verfolgen.
    foto: apa/dpa-zentralbild/arno burgi

    Gerichtsunterlagen aus einem Verfahren in Großbritannien zeigen wie Ermittler die Spuren von Filmpiraten verfolgen.

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