iOS 9 verlangsamt iPhone 4s: Nutzer reichen Sammelklage gegen Apple ein

30. Dezember 2015, 09:48
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Gerät nicht mehr "funktional für normalen Gebrauch", mehr als fünf Millionen Dollar Schadenersatz gefordert

Wegen Problemen mit iOS 9 auf ihrem iPhone 4s strengen über 100 Nutzer eine Sammelklage gegen den Gerätehersteller Apple an. Sie erklären, die neue Version der Software habe ihre Smartphones im Alltag praktisch unbenutzbar gemacht und fordern mehr als fünf Millionen Dollar Schadenersatz.

Nach dem Update sei das Handy der Kläger "nicht mehr funktional für normalen Gebrauch" gewesen, heißt es in der Klage, die Apple Insider veröffentlicht hat. Das Gerät reagiere verzögert auf Toucheingaben, es gäbe Performanceprobleme in allen Bereichen, dazu würden auch Hänger und Abstürze vorkommen.

Irreführende Werbung beklagt

Dem Konzern wird "betrügerische Geschäftspraxis" und "irreführende Werbung" vorgeworfen. Obwohl Apple die Probleme bei internen Qualitätskontrollen hätten auffallen müssen, wurde iOS 9 als kompatibel mit dem iPhone 4s beworben, ohne vor den Schwierigkeiten zu warnen.

Im Gegenteil, die neue Software solle laut Werbetext sogar "schnellere Performance, verbesserte Sicherheit (…) und längere Akkulaufzeit" bringen. Ebenso schildere der Hersteller nicht aus, dass sich eine einmal durchgeführte Aktualisierung nicht rückgängig machen lasse.

Keine echte Wahlmöglichkeit

Dies lasse den Betroffenen am Ende nur zwei Wahlmöglichkeiten: Sich entweder mit einem "langsamen, fehlerhaften Gerät" begnügen oder "hunderte Dollar" in ein neues Smartphone zu investieren. Den Klägern sei durch das Update Ärger und wirtschaftlicher Schaden entstanden, einige der Kläger sahen sich gezwungen, neue Mobiltelefone anzuschaffen.

Ein weiteres Argument der Kläger betrifft das geschlossene Ökosystem, das Apple betreibt. Da viele Nutzer bereits einiges Geld in nicht übertragbare Güter wie Apps gesteckt hätten, sei es wahrscheinlich, dass sie sich trotz der Probleme ein neues iPhone kaufen, statt auf eine andere Plattform zu wechseln.

Déjà-vu

Praktisch jährlich kommt es zu Berichten von iPhone-Besitzern, die sich nach der Aktualisierung auf eine neue iOS-Version mit Problemen konfrontiert sahen. Schon bei iOS 7 und 8 klagten einige Nutzer des iPhone 4 bzw. 4s. Teilweise konnte Apple die Schwierigkeiten mit Folgeupdates aus der Welt schaffen. Auf älteren Geräten sind verschiedene von der Hardware nicht unterstützte Funktionen und Effekte zudem deaktiviert.

Auch 2011 kam es in Folge der Veröffentlichung einer neuen iOS-Version zu einer Klage gegen den Konzern aus Cupertino. Damals beschwerten sich Nutzer, dass iOS 4 ihr iPhone 3G praktisch zu "Ziegelsteinen" gemacht hatte. Die Klage war damals vom Gericht abgewiesen worden, da man den Tatbestand betrügerischer Praktiken und irreführender Werbung nicht erfüllt sah und das Softwareupdate außerdem nicht als Ware oder Dienstleistung einstufte. (gpi, 30.12.2015)

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