John Ford: Eisernes Pferd erobert den Kontinent

29. Dezember 2015, 15:38
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Eine Pionierfilmarbeit aus der US-amerikanischen Pionierzeit zeigt das Linzer Cinematograph in den kommenden Tagen: "The Iron Horse" von John Ford

Linz – John Ford (1894- 1973) ist einer der wichtigsten und auch vielseitigsten Regisseure des klassischen US-Kinos. Der Sohn irischer Einwanderer ging 1913 nach Hollywood, wo schon sein Bruder beim Film arbeitete. Ford war anfangs Stuntman und Schauspieler, bevor er 1917 erstmals Regie führte.

Viele dieser frühen Streifen sind Western, auch später in der Tonfilmzeit machten ihn Pferdeopern – oft mit John Wayne oder Henry Fonda in den Hauptrollen – weltbekannt. Ein berühmter Satz von Ford lautet: "My Name is John Ford and I make Westerns."

Schon vor The Iron Horse (1924) hatte Ford 40 Western gedreht, doch in der Stummfilmzeit war der Streifen zweifelsohne sein bedeutendster in diesem uramerikanischen Genre. Das Linzer Cinematograph zeigt in den kommenden Tagen das frühe Meisterwerk dieses Künstlers und Poeten, der selbst nie das Wort Kunst oder Poesie in den Mund genommen hatte.

In dem von Peter Handke geliebten – und in Der kurze Brief zum langen Abschied zitierten – Filmepos über das "eiserne Pferd" bzw. "Feuerross" geht es um die Erschließung Nordamerikas durch den Bau einer transkontinentalen Eisenbahn in den 1860er-Jahren. Ford zeigt, wie schwierig die Aufgabe war, vor allem aber, in welchen Spannungsfeldern dies über die Bühne ging: Konflikte zwischen Natur und Mensch, zwischen Kollektiv und Individuum, zwischen verschiedenen sozialen Schichten und wirtschaftlichen Interessengruppen.

Ford und sein Team mit Hauptdarsteller und Stammschauspieler George O'Brien drehten unter widrigsten Bedingungen in der Sierra Nevada. Immer stehen die historischen Details im Vordergrund: Über die Prärie ziehende Bisonherden gab es damals noch genauso wie die zwei Originallokomotiven, die bei der realen Vereinigung der Schienenstränge, die zum einen vom Pazifik, zum anderen von Missouri aus gebaut wurden, tatsächlich auf den Gleisen dampften.

Neben der Detailtreue hat Ford vor allem Interesse an den Menschen, an den einfachen Arbeitern und – bei aller existenziellen Härte – an deren Menschlichkeit. So zeigt er einen irischen Gleisbauer, der einem chinesischen Kuli ein Stück Kautabak anbietet. (Gerhard Dorfi, 29.12.2015)

30. 12. – 3. 1., Linz, Cinematograph, Mi-Sa 19.30 / So 10.30

  • Kein "iron horse", metaphorisch für die Lokomotive in ihren Anfängen, ist es, sondern eines aus Fleisch und Blut, auf dem George O'Brien (als David Brandon) sitzt und Madge Bellamy (als Miriam Marsh) anschmachtet.
    foto: centfox

    Kein "iron horse", metaphorisch für die Lokomotive in ihren Anfängen, ist es, sondern eines aus Fleisch und Blut, auf dem George O'Brien (als David Brandon) sitzt und Madge Bellamy (als Miriam Marsh) anschmachtet.

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