Aluhut 2.0: Kappe und Haube sollen vor Strahlen schützen

9. Jänner 2016, 09:42
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Herstellung über Kickstarter finanziert – Silber soll elektromagnetische und radioaktive Strahlung mildern

Der Aluhut ist aus dem modernen Sprachschatz kaum wegzudenken. Einst von Julian Huxley im Buch "The Tissue-Culture King" (1927) als Schutzmechanismus gegen telepathische Kontrolle erfunden, wird das Tragen eines solchen heute gerne Anhängern von Verschwörungstheorien und Menschen unterstellt, die der Ansicht sind, körperlich exzessiv durch den Einfluss von Funkstrahlung zu leiden.

Der Aluhut, keine Erfolgsgeschichte

Das Konzept an sich wurde immer wieder einmal für bare Münze genommen und nutzt in der Theorie das Prinzip des Faraday'schen Käfigs. Umhüllt er den Kopf allerdings nicht ausreichend und liegt nicht eng an, bleibt er wirkungslos.

Dazu, so schreibt The Atlantic, fanden Forscher am MIT 2005 heraus, dass ein Hut aus mehreren Lagen Alufolie sogar geeignet ist, das Signal auf verschiedenen Frequenzen zu verstärken. Darunter das im Mobilfunk verwendete 2,6 GHz-Spektrum sowie das 1,2-GHz-Spektrum, das bei Radionavigation und Satellitenkommunikation zum Einsatz kommt, was die Überwachung sogar erleichtern könnte.

foto: shield apparel

Mit Silber gegen Strahlung

Doch offenbar ist die Idee der Signal-dichten Kleidung nicht totzukriegen und lebt auch abseits von Kunst-Aktionen wie der "Alu-Burka" weiter. Das Start-up Shield Apparel hat Geld auf Kickstarter gesammelt, um eine Haube und eine Kappe umzusetzen, die dank eines "speziellen Stoffes" elektromagnetische Wellen vom Kopf des Trägers fernhalten sollen. Das Textil enthält allerdings kein Aluminium, sondern Silber.

Zusätzlich soll durch das Material auch radioaktive Strahlung abgemildert werden, außerdem sei es unsichtbar für Radargeräte oder infrarotbasierte Nachtsichtgeräte. Nachprüfbar plausibel sind allerdings nur die weiteren Versprechen, durch die antibakteriellen Eigenschaften des Silbers die Geruchsentwicklung zu mindern und den Kopf generell wie eine Kopfbedeckung zu schützen.

Ab 16 Britischen Pfund (rund 24,4 Euro) konnten Interessenten sich einen Beanie oder eine Kappe in Kindergröße sichern. 22 Pfund wurde für die großen Varianten der "weltweit ersten signaldichten Kopfbedeckung" verlangt.

Ängstlicher Cousin inspiriert Kleidungsstücke

Die Inspiration für die Produkte fand einer der beiden Firmengründer bei einem Gespräch mit einem Cousin. Dieser klagte über Schlaflosigkeit und vermutete Funk- oder WLAN-Signale als Ursache und wünschte sich einen Schutz für seinen Kopf in der Nacht.

Auf der Kampagnenseite spart man nicht mit alarmierenden Formulierungen. "Unsere Körper werden täglich einer Vielzahl von Signalen ausgesetzt – Mobiltelefone, WLAN, Satelliten, TV, Radio, Mikrowellen, elektronische Geräte, Lichter oder hohe Dosen kosmischer Strahlung bei Flügen", erklärt man. Geräte im eigenen Haushalt könne man zumindest abschalten, wenn man sie gerade nicht brauche, doch der Nachbar tue das vielleicht nicht.

foto: shield apparel

Selbstzweifel

Gleichzeitig zieht man die Wirksamkeit des eigenen Produktes in Zweifel, während man erneut mit Angst und Unsicherheit spielt. "Wir sagen nicht, dass es zu hundert Prozent gegen alle elektromagnetischen Strahlen schützt, die schlecht für die Gesundheit sind", heißt es da. "Aber wenn Sie auf sich selbst achten, dann seien Sie schlau und ziehen die signalabweisende Kleidung an – niemand wird es bemerken und sie wird Sie schützen."

Finanzierungsziel knapp erreicht

Ausliefern will Shield seine Hauben und Kappen noch im Januar. Die Crowdfunding-Kampagne endete erfolgreich, das Ziel von 13.000 Pfund konnte man knapp übertreffen. Bald sollte sich zeigen, ob das Projekt tatsächlich ernst gemeint ist und die neue Generation des Aluhuts seine Versprechungen einlösen kann. (Georg Pichler, 09.01.2015)

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